DIE TAUFRITEN JOHANNES DES TÄUFERS


 

 

Die gnostische Täufersekte der Mandäer, eine aramäische Minderheit im Grenzgebiet zwischen dem südlichen Iran und dem angrenzenden Irak, führen sich nach eigener AUssage auf Johannes den Täufer zurück. Ihr Gottesdienst besteht vorwiegend aus verschiedenen rituellen Waschungen. Es wäre also möglich, dass diese Waschungen auf die ursprüngliche Lehre von Johannes dem Täufer selbst zurückgeht. Die rituellen Waschungen der Täufersekte ähneln zum Teil stark den muslimischen.

 

Neben dem jeden Sonntag zu vollziehenden komplexen Taufritus, der "Masbuta", welche durch einen Priester am Täufling durchgeführt wird, gibt es zwei Reinigungsriten, welche von dem Gläubigen selbst nach einer kleineren oder größeren Verunreinigung durchgeführt werden muss.

 

(Die folgenden gegebenen Zitate entstammen der Doktorarbeit von Gabriele Mayer: Und das Leben ist siegreich. Ein Kommentar zu den Kapiteln 18 - 33 des Johannes-buches der Mandäer: Der Traktat über Johannes den Täufer, Heidelberg 1996, 236f.).

 

1. Die sogenannte "RIsama" ähnelt hierbei dem "Wudu", der kleinen muslimischen Gebetswaschung und an die rituelle Handwaschung im Judentum, "Netilat Jadajim" gennant.

 

"Für den Vollzug der risama muß kein Priester anwesend sein. Sie sollte täglich vor Sonnenaufgang , besonders vor jeder kultischen Zeremonie, aber auch nach kleineren Verunreinigungen (0z. B. nach der Entfernung von Eingeweiden bei einer Schlachtung ) vollzogen werden. Sie beinhaltet eine Waschung des ganzen Körpers, Wasserzeichnung, Trunk aus dem Taufgewässer und eine Taufformel. Nacheinander werden Hände, Gesicht, Ohren, Nase, Mund, Kniee, Füße sowie der Unterkörper je dreimal mit Wasser abgerieben und dann der rechte Fuß zweimal, der linke einmal ins Wasser getaucht."

 

2. Die sogenannte "Tamasa" wiederum ähnelt dem "Ghusl", der muslimischen Ganzkörperwaschung, aber auch der jüdischen Tevila, dem rituellen Eintauchen des ganzen Körpers nah Verunreinigungen.

 

"Die tamasa kann, wie die risama, jederzeit stattfinden. Die Anwesenheit eines Priesters ist nicht vonnöten. Sie dient hauptsächlich der Wiederherstellung der kultischen Reinheit und soll nach jeder Verunreinigung vollzogen werden (sie ist Pflicht für Frauen nach Menstruation und Geburt, für den Mann nach Pollution, für beide Geschlechter nach Beischlaf und Berührung von Unreinem, z. B. einer Leiche). Der oder die Betreffende zieht am Flußufer das Rasta, d. h. die siebenteilige Ritualbekleidung der Mandäer, bis auf die Hose aus und macht ein Bündel aus den Kleidern. Dieses Bündel nimmt er auf den Kopf und taucht mit ihm dreimal unter, danach gießt er sich dreimal Wasser über den Kopf."