DIE OFFENBARUNG DES PETRUS


Die Offenbarung des Petrus (oder Petrusapokalypse) ist in einer griechischen und einer äthiopischen Version erhalten. Sie ist im ältesten Kanonverzeichnis, dem Kanon Muratori (2. Jhd.), bezeugt, verschwand aber sehr schnell aus der Überlieferung. In Äthiopien gehört die Schrift hingegen, wie auch andere apokryphe Schriften wie das Buch Henoch, das lange Zeit als verschollen galt, bis heute zum biblischen Kanon.

Die Offenbarung des Petrus beschreibt eine Vision, welche Simon Petrus zuteil wurde, nachdem Jesus ihn zusammen mit Jakobus und Johannes auf einen Berg geführt hatte (vgl. Mt 17,1–8 parr). Dort sahen sie, wie sich Jesus in eine Lichtgestalt verwandelte, und neben ihm erschienen Moses und Eliah, die von den Juden als die beiden größten Propheten angesehen werden. Dieses Ereignis ist im Christentum als die "Verklärung des Herrn" (Transfiguratio Domini) bekannt und gehörte neben der Taufe Jesu durch Johannes für die Urchristen zu den bedeutendsten Ereignissen im Leben Jesu. In der orthodoxen Kirche gehört das Fest der Transfiguration bis heute zu den wichtigsten Feiertagen und wird am 19. August (gregorianisch) bzw. am 6. August (julianisch) begangen.

 

William Blake: The Transfiguration  (um 1800)
William Blake: The Transfiguration (um 1800)

 

 

Ü B E R S E T Z U N G:

 

 

 

[vgl. Caspar Detlef Gustav Müller (Übers.): Offenbarung des Petrus. In: Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen, Bd. 2: Apostolisches, Apokalypsen und Verwandtes. Tübingen: Mohr/Siebeck 61999.]

 

 

 

[1] Und indem er auf dem Ölberg saß, traten zu ihm die Seinigen, und wir beteten ihn an und flehten einzeln ihn an und baten ihn, indem wir zu ihm sagten: „Offenbare uns, welches die Zeichen sein werden, die uns zeigen, daß du wiederkommst und daß das Ende der Welt da ist. Dann können wir die Zeit verstehen und begreifen, in der du kommen wirst. Wir können dann auch die nach uns Kommenden unter­weisen. Wir predigen ihnen das Wort deines Evangeliums und setzen sie in deiner Kirche ein. Wenn sie die Botschaft hören, sollen sie sich bemühen zu erkennen, wann du wiederkommst.“

 

 

 

[2] Unser Herr antwortete: „Gebt acht, daß man euch nicht verführt, daß ihr nicht zweifelt und fremden Göttern dient. Viele werden kommen in meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus. Glaubt ihnen nicht, und geht nicht zu ihnen hin.

 

 

 

[3] In Wahrheit wird der Menschensohn kommen, ohne daß man es vorher weiß. Denn so wie der Blitz, der vom Osten bis zum Westen her sichtbar ist, so werde ich kommen auf den Wolken des Himmels mit einem großen Heer in meiner Herrlichkeit.

 

 

 

[4] Mein Kreuz wird vor mir hergehen. Ich werde kommen in meiner Herrlichkeit und siebenmal heller leuchten als die Sonne. Ich werde kommen in meinem Licht mit allen meinen Heiligen und mit meinen Engeln. Das wird geschehen, wenn mein Vater mir eine Krone auf mein Haupt setzt, damit ich die Lebendigen und die Toten richte und jedem vergelte nach seinen Taten.

 

 

 

[5] Und ihr, nehmt den Feigenbaum als Beispiel: Wenn seine Knospen hervorkommen und seine Zweige getrieben haben, dann kommt das Ende der Welt.“

 

 

 

[6] Und ich, Petrus, antwortete ihm: „Erkläre mir, wie wir das mit dem Feigenbaum verstehen sollen. Woran sollen wir das Ende der Welt erkennen, denn der Feigenbaum sprießt doch alle Tage und bringt jedes Jahr seinen Eigentümern Früchte. Was bedeutet also das Beispiel des Feigenbaums? Wir wissen es nicht.“

 

 

 

[7] Da fragte mich der Meister: „Erkennst du nicht, daß der Feigenbaum das Haus Israel ist? Ein Mann hatte in seinem Garten einen Feigenbaum gepflanzt. Der trug keine Feigen. Lange Jahre schaute der Mann vergeblich nach, ob er Früchte trug. Und da er sie nicht fand, sagte er zum Gärtner: Reiß diesen Feigenbaum aus, damit er unser Land nicht unfruchtbar sein lässt.

 

 

 

[8] Der Gärtner sprach zu Gott: Wir, deine Diener, wollen zuerst das Land von Unkraut säubern, den Boden unter dem Baum ackern und ihn mit Wasser begießen. Wenn er dann nicht Frucht bringt, wollen wir seine Wurzeln aus dem Garten wegschaffen und einen anderen an seine Stelle pflanzen.

 

 

 

[9] Hast du nicht begriffen, daß der Feigenbaum das Haus Israel ist? Wahrhaftig, ich sage dir, in den letzten Tagen, wenn seine Zweige getrieben haben, werden falsche Messiasse kommen. Sie werden die Hoffnung wecken mit den Worten: Ich bin der Christus, der in die Welt gekommen ist.

 

 

 

[10] Und wenn die Menschen die Bosheit ihrer jeweiligen Werke erblickt haben, werden sie hinter ihnen hergehen und den ersten Christus verleugnen, ihn, den man gekreuzigt hat und dem unsere Väter Lobpreis sagten. Man wird sehr sündigen. Dieser Betrügerische aber ist nicht Christus. Und wenn sie ihn verschmähen, wird er sie mit dem Schwert töten und es wird viele Märtyrer geben.

 

 

 

[11] Dann werden die Zweige des Feigenbaumes, d. h. des Hauses Israel, treiben. Mit eigener Hand wird er Märtyrer schaffen. Viele werden sterben und Opfer werden. Henoch und Elias werden geschickt werden, um die Menschen zu überzeugen, daß das der Verführer ist, der in die Welt kommen und Zeichen und Wunder tun muss, um zu verführen. Deshalb werden die, die durch seine Hand gestorben sind, Märtyrer sein und zu den guten und gerechten Märtyrern gezählt werden. Sie haben in ihrem Leben Gott gefallen.“

 

 

 

[12] Mit seiner Rechten zeigte mir Jesus Christus die Seelen aller Menschen und auf seiner rechten Handfläche das Bild von dem, was sich am Jüngsten Tag erfüllen wird. Er zeigte mir, wie Gerechte und Sünder geteilt werden. Er ließ mich sehen, wie es denen ergehen wird, die rechten Herzens sind, und wie die Übeltäter für alle Ewigkeit ausgerottet werden.

 

 

 

[13] Wir sahen, wie die Sünder in großer Betrübnis und Trauer weinten. Sie weinten so sehr, daß alle, die Gerechten, die Engel und auch er selbst, von ihrem Weinen angesteckt wurden.

 

 

 

[14] Ich aber fragte ihn: „Herr, du hast ja selbst über die Sünder gesagt: Es wäre besser für sie, sie wären nicht geschaffen.“ Der Herr erwiderte: „O Petrus, warum sagst du, es wäre besser für sie, sie wären nicht geschaffen? Du streitest hier gegen Gott! Gottes Erbarmen ist groß. Auch du würdest dich der Lebewesen Gottes nicht mehr erbarmen, als er es tut. Denn Gott hat sie erschaffen und hat sie aus dem Nichtsein ins Dasein gebracht. Du warst ergriffen, als du gesehen hast, wie die Sünder am Ende der Tage klagen. Doch ich will dir ihre Taten zeigen, mit denen sie sich gegen den Höchsten versündigt haben.

 

 

 

[15] Siehe jetzt, was sie in den letzten Tagen erleben werden, wenn der Tag Gottes kommt. Am Tag der Entscheidung des Gerichtes Gottes werden alle Menschenkinder vom Osten bis zum Westen vor meinem Vater versammelt werden, dem ewig Lebendigen.

 

 

 

[16] Er wird der Hölle gebieten, sie möge ihre stählernen Riegel öffnen und alles zurückgeben, was in ihr ist. Und auch den wilden Tieren und Vögeln wird er gebieten, daß sie alles Menschenfleisch zurückzugeben, das sie gefressen haben. Denn Gott will, daß die Menschen wieder sichtbar werden.

 

 

 

[17] Denn nichts geht für Gott zugrunde und nichts ist ihm unmöglich, da alles sein ist. Am Tage der Entscheidung, am Tage des Gerichtes, wenn alles beurteilt wird, ist alles wieder da. Denn Gott befiehlt es so mit seinem Wort, genauso wie er die Welt erschaffen hat und alles, was darin ist. Allem, was darin ist, hat er befohlen.

 

 

 

[18] Auch am Ende der Zeit wird das so sein. Denn für Gott ist alles möglich. So sagt er auch in der Schrift: Menschensohn, weissage über die einzelnen Gebeine und sage zu den Knochen: Knochen zu den Knochen in Glieder, Muskeln, Nerven, Fleisch und Haut und Haare darauf. Und die Seele und den Geist soll der große Urael auf Befehl Gottes geben. Denn ihn hat Gott bestellt bei der Auferstehung der Toten am Tage des Gerichtes.

 

 

 

[19] Sehet und bedenkt die Samenkörner, die man in die Erde sät. Wie etwas Trockenes, das seelenlos ist, sät man sie in die Erde. Und sie leben auf, werden fruchtbar, und die Erde gibt sie zurück, wie ein anvertrautes Pfand.

 

 

 

[20] Wenn jemand ablebt, ist er das Samenkorn, das in die Erde gelegt wird. Dann wird er lebendig und dem Leben wiedergegeben. Wie viel mehr wird Gott die an ihn glauben und von ihm Erwählten, für die er die Erde gemacht hat, auferwecken am Tage der Entscheidung. Alles wird die Erde wiedergeben. Dann wird die Erde alles zurückgeben. Denn auch sie muss zusammen mit allen anderen gerichtet werden, aber auch der Himmel zusammen mit ihr.

 

 

 

[21] Und es wird geschehen am Tage des Gerichtes werden auch die abgeurteilt, die vom Glauben an Gott abgefallen sind und die Sünde getan haben. Feuerfluten werden losgelassen. Dunkel und Finsternis werden eintreten, sodaß die ganze Welt sie wie ein Kleid anzieht und durch sie verhüllt wird. Die Meere werden umgeformt und in glühende Kohlen verwandelt und alles, was auf der Erde ist, wird brennen. Das Meer wird zu Feuer werden. Ein bitteres, nie verlöschendes Feuer wird unter dem Himmel sein und es fließt zum Gericht des Zorns.

 

 

 

[22] Durch die Feuerflammen werden die Sterne zerfließen und so sein, als wenn sie nie geschaffen worden wären. Da es kein Wasser gibt, werden die Festen des Himmels zerfallen und so werden, als wären sie ungeschaffen. Der Himmel wird zu Blitzen werden, und seine Blitze werden die Welt erschrecken.

 

 

 

[23] Die Geister der Leichname, die Totengeister, werden genauso wie die Sterne sein und auf Befehl Gottes zu Feuer werden. Und sobald die ganze Schöpfung sich auflöst, werden die Menschen im Osten nach Westen und die im Westen nach Osten fliehen. Die im Süden werden nach Norden und die im Norden nach Süden fliehen, aber überall wird sie der Zorn furchtbaren Feuers treffen. Das immerwährende Feuer wird sie jagen und in den Feuerstrom des Zorngerichtes treiben, der nicht erlischt, in dem Feuer glüht und dessen Wellen kochend auseinanderfallen. Deshalb entsteht viel Zähneknirschen der Menschkinder.

 

 

 

[24] Und alle werden sehen, wie ich auf ewig glänzender Wolke komme. Die Engel Gottes werden bei mir sein und mit mir auf meinem herrlichen Thron zur Rechten meines himmlischen Vaters sitzen. Der wird eine Krone auf mein Haupt setzen. Sobald das die Völker sehen, werden sie weinen, jedes Volk für sich. Und mein Vater wird ihnen befehlen, in den Feuerbach zu gehen. Vor jedem Einzelnen werden seine Taten stehen, die er getan hat. Jedem wird nach seinem Tun vergolten werden.

 

 

 

[25] Die Ausgesuchten, die das Gute getan haben, werden zu mir kommen. Keiner von ihnen wird den Tod erdulden müssen, aber auch nicht das verzehrende Feuer. Doch die Übeltäter, die Sünder und die Heuchlerischen werden in den Abgründen der Finsternis sein, die nicht vergeht. Und ihre Strafe ist das Feuer und Engel bringen ihre Sünden herbei. Sie bereiten ihnen einen Ort, wo sie für immer bestraft werden, je nach ihrer Versündigung.

 

 

 

[26] Urael, Engel Gottes, bringt die Seelen derjenigen Sünder herbei, die in der Sintflut umgekommen sind, und auch die Geister, die sich in allen Götzen und Gussbildern, in Liebesamuletten und in Bildern aufhalten. Auch die Geister, die auf den Bergen und in Steinen am Weg hausen und die man Götter nannte. Zusammen mit den Gegenständen, in denen sie lebten, wird man sie in ewigem Feuer verbrennen. Wenn sie so samt ihrer Behausung vernichtet sind, wird man sie ewig strafen.

 

 

 

[27] Dann werden Männer und Weiber an den Ort gehen, für den sie bestimmt sind. Die gegen den Weg der Gerechtigkeit gelästert haben, wird man an ihren Zungen aufhängen. Man bereitet ihnen ein nie verlöschendes Feuer. Ein anderer Strafort ist eine große mit brennendem Schlamm gefüllte Grube. Darin sind Menschen, welche die Gerechtigkeit verleugnet haben. Strafengel foltern sie und zünden das Feuer ihrer Strafe an.

 

 

 

[28] Zwei Weiber sind an Nacken und Haaren aufgehängt und in die Grube wirft man sie. Sie hatten sich prächtige Frisuren gemacht, nicht weil das gut aussieht, sondern weil sie so Männer fangen und verderben wollten, indem sie Hurerei mit ihnen trieben. Die Männer, die sich mit ihnen zur Hurerei niedergelegt haben, werden an den Schenkeln aufgehängt in diesem brennenden Ort und sie sagen zueinander: Wir haben nicht gewusst, daß wir in die ewige Qual kommen müssten!

 

 

 

[29] Die Mörder und ihre Mittäter werden ins Feuer geworfen, an einen Ort voller giftiger Tiere. Sie werden gequält und haben keine Ruhe und erleiden große Schmerzen. Das Gewürm in ihrem Leib ist so zahlreich wie eine finstere Wolke. Und der Engel Esrael bringt die Seelen der Getöteten heran. Diese können so die Qual ihrer Mörder sehen und sagen zu­einander: Gerechtigkeit und Recht ist das Gericht Gottes. Denn wir haben es zwar gehört, aber nicht geglaubt, daß wir an diesen ewigen Gerichtsort kommen würden.

 

 

 

[30] Und bei diesen Flammen ist eine große und sehr tiefe Grube und es fließt alles von überall her hinein: Abgesondertes, Ekelhaftes und Ausgeschiedenes. Die Weiber stecken bis zum Nacken darin, und ihre Bestrafung ist sehr schmerzvoll. Das sind die, welche ihre Kinder ab­treiben und das Werk Gottes, das er geschaffen hat, zerstören. Gegenüber von ihnen ist ein anderer Ort. Dort sitzen ihre Kinder, aber beide lebendig und sie schreien zu Gott. Und Blitze gehen aus von diesen Kindern und durchbohren die Augen derer, die durch Hurerei ihren Untergang bewirkt haben.

 

 

 

[31] Andere Männer und Weiber stehen nackt oberhalb davon. Ihre Kinder stehen ihnen hier gegenüber an einem Ort des Entzückens. Und sie seufzen und schreien zu Gott wegen ihrer Eltern: Das sind die, welche uns vernachlässigt und verflucht und deine Gebote übertreten haben. Sie haben uns getötet und den Engel verflucht, der uns geschaffen hatte, und hängten uns auf. Sie enthielten uns das Licht vor, das du für alle bestimmt hast.

 

 

 

[32] Und aus den Brüsten ihrer Mütter kommt die Milch heraus, gerinnt und stinkt. Daraus gehen fleischfressende Tiere hervor und sie gehen heraus, wenden sich und quälen sie und ihre Männer in Ewigkeit. Denn sie haben Gottes Gebot verlassen und ihre Kinder getötet. Ihre Kinder wird man dem Engel Temlakos geben. Die sie getötet haben, wird man dagegen ewig foltern, weil Gott es so will.

 

 

 

[33] Der Engel des Zorns, Esrael, bringt Männer und Weiber herbei, die bis zur Hälfte ihres Körpers brennen, und wirft sie an einen Ort der Finsternis, in die Hölle. Ein Geist des Zorns züchtigt sie mit aller Qual. Und nie schlafendes Gewürm frisst ihre Eingeweide. Das sind die Verfolger und Verräter meiner Gerechten.

 

 

 

[34] Andere zerkauen ihre Zungen, sie werden mit glühendem Eisen gequält, ihre Augen werden verbrannt. Das sind die Lästerer und Zweifler an meiner Gerechtigkeit. Anderen Männern und Weibern schneidet man die Lippen ab, denn ihre Taten bestanden aus lauter Betrug. Feuer geht in ihren Mund und in ihre Eingeweide. Das sind die, welche Märtyrer getötet haben, indem sie diese fälschlich anzeigten.

 

 

 

[35] Und an einem nahe gelegenen Orte ist eine Stelle mit einem Stein wie eine Feuersäule und die Säule ist spitzer als Schwerter. Darauf werden Männer und Weiber in wertloses, schmutziges Zeug gekleidet, damit sie das Gericht unvergänglicher Qual erleiden, die nicht nachlässt. Das sind die, welche vertrauten auf ihren Reichtum und Witwen und das Weib mit Waisen verachtet haben, frech und Gott ins Angesicht.

 

 

 

[36] An einem anderen Ort ist eine Grube aus lauter Ausscheidungen. Dort wirft man Männer und Weiber hinein, sodaß sie bis zu den Knien darin stecken. Das sind die, welche leihen und Zins nehmen.

 

 

 

[37] Andere Männer und Weiber stoßen sich selbst von einer Höhe hinunter, dann laufen sie wieder nach oben und Dämonen treiben sie an. Das sind die Götzendiener. Man stellt sie ganz oben an das Ende des Abhanges hin und dann werden sie hinabgestürzt. Und das tun sie fortwährend, in Ewigkeit werden sie gequält.

 

 

 

[38] Da gibt es Männer, die sich ihr Glied wegoperieren lassen, Frauen, die mit ihnen waren und Männer, die wie Frauen miteinander verkehrt und sich befleckt haben. 

 

 

 

[39] Bei ihnen und unter ihnen legt der Engel Esrael einen Platz mit großem Feuer an. Das ist das Gericht über die goldenen und silbernen Götzen, alle anderen Götzen, Werke von Menschenhand, ferner über das, was aussah wie Katzen und Löwen, Kriechtiere und wilde Tiere. Und es ist das Gericht über Menschen, die Bilder davon gemacht hatten, Männer und Frauen in feurigen Ketten.

 

 

 

[40] Sie werden bestraft, weil sie angesichts der Götzenbilder in die Irre gegangen sind. So werden sie für immer gerichtet. Bei diesen sind andere Männer und Frauen, die in der Flamme des Gerichtes brennen. Ihre Qual ist für immer. Das sind die, welche Gottes Gebot verlassen haben und den Weg der Dämonen nachgefolgt sind.

 

 

 

[41] Außerdem ist da noch ein anderer, sehr hoch gelegener Ort, von lodernden Flammen umgeben. Die Männer und Weiber, die sich verfehlen, sollen den Abhang hinunter in den Schrecken hineinrollen. Und während das Feuer fließt, das für sie vorbereitet ist, steigen sie hinauf und werden immer wieder hinuntergerollt. So werden sie gestraft in Ewigkeit. Das sind also die, welche Vater und Mutter nicht geehrt und sich von ihnen ferngehalten haben. Deshalb werden sie für immer bestraft.

 

 

 

[42] Weiter lässt der Engel Esrael Kinder und Jungfrauen kommen, um ihnen die Bestraften zu zeigen. Sie werden aufgehängt, und fleischfressende Vögel hacken auf sie ein und bringen ihnen viele Verletzungen bei. Das sind die, die darauf vertraut haben, daß ihre Sünden sie glücklich machen würden. Sie haben ihren Eltern nicht gehorcht, sie sind der Lehre ihrer Väter nicht gefolgt und haben die Älteren nicht geehrt.

 

 

 

[43] Bei ihnen sind Jungfrauen, die mit Finsternis bekleidet werden. Sie werden entsetzlich bestraft, indem ihre Körper auseinandergerissen werden. Das sind solche, die nicht bis zur Heirat jungfräulich geblieben sind. Darum werden diese jungen Frauen so sehr bestraft.

 

 

 

[44] Andere Männer und Frauen müssen ohne Pause ihre Zunge zerkauen und werden dazu noch mit ewigem Feuer gequält. Das sind die Sklaven, die ihren Herren nicht gehorsam gewesen sind. Auch ihre Strafe ist für ewig.

 

 

 

[45] In der Nähe dieses Folterortes stehen blinde und stumme Männer und Weiber, deren Gewänder weiß sind. Dann drängen sie sich eng aneinander und fallen auf die Kohlen, die ein nie verlöschendes Feuer speist. Das sind die, welche Almosen geben und dabei sagen: Wir sind gerecht vor Gott. Aber sie haben gar nicht die Gerechtigkeit gesucht.

 

 

 

[46] Der Engel Gottes Esrael lässt sie aus diesem Kohlenfeuer her­ausgehen. Er hat für sie eine quälende Bestrafung vorgesehen. Dies ist also ihr Gericht: Ein Fluss aus Feuer fließt. Die Bestraften müssen zum Fluss hinuntersteigen. Dort stellt sich Urael auf. Er bringt Feuerräder herbei. Sie drehen sich sehr stark, und dadurch werden die Männer und Weiber an das Rad gepresst. Die in der Grube sind, brennen. Das sind nämlich die Zauberer und Zauberinnen. Solche Feuerräder gibt es in großer Zahl bei jeder Ahndung durch Feuer.

 

 

 

[47] Darauf brachten die Engel meine Auserwählten und Gerechten. Sie sind vollkommen in aller Gerechtheit. Die Engel tragen sie auf ihren Händen, und die Gerechten sind bekleidet mit den Kleidern des ewigen Lebens. Die Gerechten werden die sehen, die sie gehasst haben. Denn deren Strafe wird für immer ihre Rache sein. Jeder wird nach seinen Taten Vergeltung bekommen.

 

 

 

[48] Alle, die gefoltert werden, sagen einstimmig: Hab Erbarmen mit uns. Jetzt haben wir Gottes Gericht erkannt. Er hat es uns zuvor angekündigt, aber wir haben es nicht geglaubt!

 

 

 

[49] Dann wird der Engel Tartaruchos kommen und er wird sie furchtbar züchtigen und zu ihnen sagen: Jetzt bekundet ihr Reue. Doch jetzt gibt es keine Zeit mehr für Reue. Denn nun ist von eurem Leben nichts mehr übrig. Und alle sagen: Gerecht ist das Gericht Gottes. Wir haben gehört und erkannt, daß sein Gericht gut ist. Denn wir werden so bestraft gemäß unseren Taten.

 

 

 

[50] Dann werde ich meinen Erwählten und Gerechten die Taufe und das Heil geben, um das sie mich gebeten haben, bei dem Gefilde: Akrosja (= Acherusia), das man nennt: Aneslasieja (= Elysium). Was die Gerechten dann bekommen, wird mit Blumen geschmückt sein. Ich werde hingehen und mich mit ihnen freuen. Ich lasse die Völker in mein ewiges Reich eintreten, das für alle Zeit sein wird. Ich und mein himmlischer Vater werden ihnen das geben, was nicht vergeht. Ich habe es ihnen verheißen.

 

 

 

[51] Ich hab es, Petrus, zu dir geredet und dir verkündet. Geh daher in die Stadt des Westens, nach Rom, in den Weinberg, den ich dir schildern werde. Du bist auserwählt in der Hoffnung, die ich dir gegeben habe. Verbreite daher in der ganzen Welt meine Botschaft in Frieden. Die Menschen werden sich freuen, meine Worte werden Quell der Hoffnung und des Lebens werden, und jäh wird die Welt nicht mehr sein.“

 

 

 

[52] Und es sprach zu mir mein Herr Jesus Christus, unser König: „Lasst uns auf den heiligen Berg gehen.“ Und Jesu Jünger kamen zu ihm und beteten. Und sieh, da waren zwei Männer, und wir konnten ihr Gesicht nicht ansehen, denn es ging von ihnen ein Licht aus, das mehr leuchtete als die Sonne. Auch ihre Gewänder waren glänzend und man kann es nicht beschreiben. Nichts in der Welt ist damit zu vergleichen.

 

 

 

[53] Die Herrlichkeit war so groß, daß menschliche Sprache nicht die Schönheit ihrer Form beschreiben kann. Ihr Anblick war wunderbar und staunenswert. Ihre Ansicht war leuchtender als Kristall. Ihr Körper und ihr Haupt sind anzusehen wie eine Rose. Ihr Haupt ist herrlich. Seine Haare fielen auf die Schultern, duftend wie Narde, ein Flechtwerk von schönen Blumen. Wie der Regenbogen war sein Haar im Wasser. So war die Anmut seines Gesichtes, und geschmückt war er mit jeglichem Schmuck. Als wir diese plötzlich sahen, wunderten wir uns.

 

 

 

[54] Und ich trat zu Gott Jesus Christus und fragte: „Mein Herr, wer ist das?“ Er antwortete: „Das sind Mose und Elia.“ Ich fragte: „Wo sind denn Abraham, Isaak, Jakob und die anderen gerechten Väter?“ Er zeigte uns einen großen geöffneten Garten. Er war voll schöner Bäume und gesegneter Früchte, voll von Duft und Wohlgerüchen. Der Duft war schön und reichte bis zu uns. Da fragte mich Jesus Christus, mein Herr und Gott: „Hast du die Scharen der Väter gesehen?“ Ich antwortete: „Ich freue mich, glaube und schließe mich ihnen an.“

 

 

 

[55] Jesus sagte: „Alle, die man verfolgt, weil sie denselben gerechten Weg gehen wie ich, bekommen diese himmlische Heimat, so werden sie geehrt und verherrlicht werden.“ Und ich ward froh und glaubte, was geschrieben ist im Buche meines Herrn Jesus Christus.

 

 

 

[56] Und ich sagte zu ihm: „Mein Herr, willst du, daß ich hier drei Hütten baue, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia?“ Und er sagte zu mir im Zorn: „Der Satan führt Krieg gegen dich und er hat dein Denken verschleiert. Du wirst von den Gütern dieser Welt besiegt. Doch nimm mit Augen und Ohren zur Kenntnis: Es gibt nur eine Hütte. Mein Vater im Himmel hat mir und den Erwählten eine Hütte gebaut, die nicht von Menschenhand ist.“ Und wir sahen es voll Freude.

 

 

 

[57] Und siehe, plötzlich ertönte eine Stimme vom Himmel: „Dies ist mein Sohn, den ich liebe und an dem ich Gefallen habe“. Eine große, sehr weiße Wolke schwebte über unseren Köpfen und nahm unseren Herrn und Mose und Elia fort. Da ergriffen mich Zittern und Entsetzen.

 

 

 

[58] Als wir nach oben blickten, öffnete sich der Himmel. Wir sahen Menschen im Fleische und sie kamen und begrüßten unseren Herrn und Mose und Elias. Dann gingen sie in den zweiten Himmel zurück. So wurde das Wort der Schrift erfüllt: „Dieses Geschlecht sucht ihn und sucht das Antlitz des Gottes Jakobs.“ Und große Furcht und großes Entsetzen traten ein im Himmel.

 

 

 

[59] Die Engel traten zusammen, damit das Wort der Schrift erfüllt würde, in der es heißt: „Öffnet die Tore, ihr Fürsten!“ Darauf wurde der Himmel wieder geschlossen, der geöffnet worden war. Und wir beteten, gingen vom Berg herab und priesen Gott, der die Namen der Gerechten im Himmel in das Buch des Lebens eingeschrieben hat. 

 


* Das „Austreiben des Feigenbaums“ ließe sich als die Gründung des Staates Israel interpretieren.