S P U R E N   E I N E S   A  N T I K E N  

B A R N A B A S E V A N G E L I U M S

(c) DAS BARNABAS-PROJEKT 2016


 

Daß tatsächlich ein „Evangelium unter dem Namen des Barnabas" in vorislamischer Zeit existierte, belegt das Decretum Gelasianum de libris recipiendis et non recipiendis (496 n. Chr), einem Verzeichnis erlaubter und verbotener Bücher. Es wird dort den nicht-kanonischen (apokryphen), und somit verbotenen, Schriften zugeordnet. Dies ist vermutlich auch der Grund, warum es, wie viele andere verbotene Schriften, schon früh verschollen ist.

 

Die apokryphen Barnabasakten (Acta Barnabae) beziehen sich an zwei Stellen auf ein von Barnabas mitgeführtes Evangelium:

 

 

 

Barnabas hatte Dokumente von Matthäus empfangen, ein Buch des Wortes (wörtl.: der Stimme) Gottes (φωνή τοῦ Θεο), in dem schriftliche Aufzeichnungen über die Wunder und Lehren [Jesu] enthalten waren. Dieses legte Barnabas an allen Orten, zu denen wir kamen, den Kranken auf, und es führte unmittelbar zur Genesung ihrer Leiden.

 

[...]

 

Und als wir hineingegangen waren, begann Barnabas, nachdem er das Evangelium, welches er von Matthäus, seinem Gefährten (συνεργóς), empfangen hatte, ausrollte, die Juden zu lehren.

 

 

 

Diese Notiz ist insofern interessant, als Eusebius in seiner Kirchengeschichte einen Schüler des Jesusjüngers Johannes, Papias, folgendermaßen zitiert (vgl. Eusebius: Hist. Eccl. 3, 39, 16):

 

 

 

Bezüglich Matthäus aber behauptete er: „Matthäus hat in hebräischer Sprache die Reden zusammengestellt; ein jeder aber übersetzte dieselben so gut er konnte.“

 

περὶ δὲ τοῦ Ματθαίου ταῦτ̓ εἴρηται: ‘Ματθαῖος μὲν οὖν Ἑβραΐδι διαλέκτῳ τὰ λόγια συνετάξατο, ἡρμήνευσεν δ’ αὐτὰ ὡς ἦν δυνατὸς ἕκαστος.’

 

 

 

Hiermit ist das sogenannte "Hebräerevangelium" gemeint, auf welchem G. E. Lessing seine Urevangeliumshypothese  aufbaute.

 

 

 

Schließlich heißt es am Ende der Barnabasakten, daß die sterblichen Überreste des durch die gegnerischen Juden verbrannten Apostels zusammen mit dem Evangelium in eine Höhle gelegt wurden:

 

 

 

Wir kamen an einen Ort, an dem die Jebusiter einst lebten, und an dem wir eine Höhle fanden, in die wir sie legten. Wir versteckten sie an einem geheimen Ort, zusammen mit den Dokumenten, die er von Matthäus erhalten hatte.

 

 

In der Lobrede auf Barnabas (Laudatio Barnabae) des Mönchs Alexander von Zypern (Alexander Monachus) aus dem 6. Jhd. wird von der Wiederentdeckung des Grabes des Hl. Barnabas berichtet. Im Klappentext der deutsch-griechischen Ausgabe (Alexander Monachus: Laudatio Barnabae / Lobrede auf Barnabas. Turnhout: Brepols 2007) heißt es über den geschichtlichen Kontext des Werkes:

 

 

 

Alexander Monachus (Cyprius) lebte im 6. Jahrhundert als Mönch in jenem Kloster, das in unmittelbarer Nähe von Salamis über der angeblichen Grabstätte des Apostels Barnabas errichtet worden war. Die Entdeckung des Barnabasgrabes in der Regierungszeit des Kaisers Zeno und die damit verbundene Bewahrung der kirchlichen Selbstständigkeit Zyperns steht im Mittelpunkt der Darstellung. Als ein in seiner Bedeutung für die Dogmengeschichte bislang unterschätztes Werk führt die ,Laudatio Barnabae‘ unmittelbar in die erbitterten Auseinandersetzungen um das Glaubens-bekenntnis von Chalcedon hinein und bezieht entschieden gegen den Monophysitismus Stellung, wie er von dem die zyprische Kirche in ihrer Unabhängigkeit bedrohenden antiochenischen Patriarchen Petrus Fullo vertreten wird. Zudem wird eine Vielzahl apokrypher Traditionen verarbeitet, die in erheblichem Maße zu einer Bereicherung des von der Apostelgeschichte vermittelten Barnabasbildes beitragen.

 

Das Grab des Hl. Barnabas in der Nähe von Salamis auf Zypern (Foto: Rod Blackhirst)
Das Grab des Hl. Barnabas in der Nähe von Salamis auf Zypern (Foto: Rod Blackhirst)

 

Gemäß dem Bericht des Alexander Monachus befahl Kaiser Zeno dem Erzbischof von Zypern, Anthemios, wegen des Machtkampfes um die Unabhängigkeit des zypriotischen Bischofssitzes nach Konstantinopel zu reisen und Stellung zu nehmen. Da erschien dem in dieser Sache ratlosen Anthemios in drei aufeinanderfolgenden Nächten ein  heiliger Mann im Traum und gab ihm die Zuversicht, dass sich die Angelegenheit zu seiner Zufriedenheit klären werde. Im dritten Traumgesicht fragte der Bischof den Unbekannten endlich, wer er sei, worauf dieser antwortete (vgl. Laudatio Barnabae, 119ff.):

 

 

Die Auffindung des Grabes (Fresco im Kloster St. Barnabas bei Salamis)
Die Auffindung des Grabes (Fresco im Kloster St. Barnabas bei Salamis)

 

"Ich bin es, Barnabas, der Jünger unseres Herrn Jesus Christus [...]. Und dies soll dir ein Zeichen sein: Geh", sprach er, "fünf Stadien aus der Stadt nach Westen zu der so genannten ,Gesundheitsstätte‘ – durch mich nämlich bewirkt Gott an jenem Ort Wunder –, und grabe am Johannisbrotbaum, und du wirst eine Höhle finden und in ihr einen Sarg. Dort liegt mein vollständiger Leichnam und das eigenhändig geschriebene Evangelium, das ich von dem heiligen Apostel und Evangelisten Matthäus erhalten habe. [...]"

 

Als er das gesagt hatte, verschwand er. Und nachdem der Bischof aufgestanden war und den Herrn angebetet hatte, versammelte er den gesamten heiligen Klerus und das Christus liebende Volk und ging mit einem Kreuzesbild zu jenem Ort hinaus [...]. Und als sie ein wenig gruben, fanden sie eine Höhle, umfriedet mit Steinen, und als sie diese zur Seite wälzten, fanden sie den Sarg, und als sie diesen öffneten, fanden sie den ehrwürdigen Leichnam des heiligen und berühmten Apostels Barnabas, der nach dem Wohlgeruch der geistlichen Gnade duftete. Sie fanden aber auch das Evangelium, das auf seiner Brust lag.