DIE 15 ZEICHEN VOR DEM JÜNGSTEN TAG


Originalblatt des Münchener Gedichtes von den 15 Zeichen vor dem Jüngsten Tag (14. Jhd., Bayrische Staatsbibliothek München)
Originalblatt des Münchener Gedichtes von den 15 Zeichen vor dem Jüngsten Tag (14. Jhd., Bayrische Staatsbibliothek München)

 

Die 15 Zeichen vor dem Jüngsten Gericht sind eine von mehreren mittelalterlichen Autoren überlieferte Endzeitprophezeiung: so etwa Pseudo-Beda (De mundi celestis terrestrisque constitutione), Petrus Damianus (De novissimis et Antichristo), Petrus Comestor (Historia Scholastica) oder Thomas von Aquin. Die weiteste Verbreitung fand sie aber durch ihre Aufnahme in die Legenda Aurea des Jakobus von Voragine.

 

Auch das Barnabasevangelium hat uns in Kap. 53 eine Version dieser seltenen Tradition bewahrt.

 

Der Ursprung dieser Überlieferung scheint wesentlich älter als das Mittelalter zu sein, da sowohl Albertus Magnus als auch sein Schüler Thomas von Aquin, aber auch Comestor und Pseudo-Beda allesamt den Kirchenvater Hieronymus (4. Jhd.) als Quelle nennen (vgl. Georg Nölle: Die Legende von den fünfzehn Zeichen vor dem Jüngsten Gerichte. Halis Saxonum: Typis Karrasianis 1879, 9).

 

Das Barnabasevangelium überliefert uns die Zeichen wie folgt

(EvBarn 53):

 

 

Danach, wenn jener Tag näher kommt, wird fünfzehn Tage lang jeden Tag ein schreckliches Zeichen über die Bewohner der Erde kommen.

 

(1) Am ersten Tag wird die Sonne ihren Lauf am Himmel ohne Licht nehmen, schwarz wie die Farbe von Tuch; und sie wird aufstöhnen, wie ein Vater stöhnt um einen Sohn, der dem Tode nahe ist.

 

(2) Am zweiten Tag wird sich der Mond in Blut verwandeln, und Blut wird über die Erde kommen wie Tau.

 

(3) Am dritten Tag wird man sehen, wie die Sterne einander bekämpfen feindlichen Streitkräften gleich.

 

(4) Am vierten Tag werden die Steine und Felsen gegeneinanderschmettern wie grausame Feinde.

 

(5) Am fünften Tag wird jede Pflanze und jedes Kraut Blut weinen.

 

(6) Am sechsten Tag wird sich das Meer erheben, ohne seinen Platz zu verlassen zu einer Höhe von hundertfünfzig Ellen und wird den ganzen Tag stehen wie eine Wand.

 

(7) Am siebten Tag wird es wiederum so tief sinken, wie man es kaum je sah.

 

(8) Am achten Tag werden die Vögel und die Tiere der Erde und des Wassers nahe zusammenrücken und brüllen und schreien.

 

(9) Am neunten Tag wird es einen so schrecklichen Hagelsturm geben, daß er in solcher Weise töten wird, daß kaum der zehnte Teil von allem, was lebt, entkommen wird.

 

(10) Am zehnten Tag wird solch schrecklicher Blitz und Donner kommen, daß der dritte Teil der Berge gespalten und verbrannt werden wird.

 

(11) Am elften Tag wird jeder Fluß rückwärts fließen, und in ihm wird Blut statt Wasser fließen.

 

(12) Am zwölften Tag wird alles Erschaffene stöhnen und schreien.

 

(13) Am dreizehnten Tag wird der Himmel aufgerollt werden wie ein Buch, und es wird Feuer regnen, so daß alles Lebende sterben wird.

 

(14) Am vierzehnten Tag wird es ein Erdbeben geben, so schrecklich, daß die Gipfel der Berge durch die Luft fliegen werden wie Vögel, und die ganze Erde wird eben werden.

 

(15) Am fünfzehnten Tag werden die heiligen Engel sterben, und Gott allein wird am Leben bleiben; ihm sei Ehre und Herrlichkeit.