D E R     S  O  H  N     G O T T E S


Alttestamentliche Belege für den Begriff "Sohn Gottes"

 

Im Alten Testament spricht Gott an mehreren Stellen von einem Sohn.

 

In 2 Sam 7,12–16 (wiederholt in 1 Chr 17,11–14) wird dem König David durch den Propheten Nathan prophezeit:

 

Wenn nun deine Zeit hin ist, dass du mit deinen Vätern schlafen liegst, will ich deinen Samen nach dir erwecken, der von deinem Leibe kommen soll; dem will ich sein Reich bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will den Stuhl seines Königreichs bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein. Wenn er eine Missetat tut, will ich ihn mit Menschenruten und mit der Menschenkinder Schlägen strafen; aber meine Barmherzigkeit soll nicht von ihm entwandt werden, wie ich sie entwandt habe von Saul, den ich vor dir habe weggenommen. Aber dein Haus und dein Königreich soll beständig sein ewiglich vor dir, und dein Stuhl soll ewiglich bestehen. 

 

Der "Samen Davids" bezeichnet hier einerseits die davidische Königsdynastie als Kollektiv, welcher Gott eine beständige Herrschaft zusagt; andererseits ist auch Davids Sohn und Nachfolger Salomon mit diesen Worten angesprochen, wenn es heißt, dass er "meinem Namen ein Haus bauen" solle, was dieser in Form des salmonischen Tempels auch tat. Die Beschreibung der besonderen Beziehung zwischen Gott und der davidischen Könige durch ein Vater-Sohn-Verhältnis ist hier sicherlich bildlich zu verstehen, als Verdeutlichung ihrer Nähe zu Gott.

 

Die nächste Belegstelle des AT findet sich in Ps 2. Auch hier ist wieder der "Gesalbte", d.h. der König Israels aus der Linie Davids gemeint (vgl. Ps 2,2.6). In Vers 7 wird dieser wiederum erneut als "Sohn" angesprochen:

 

Den Beschluss des Herrn will ich kundtun. Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich erschaffen.

 

In Psalm 103, 13 wird das Verhältnis zwischen Gott und seinen Dienern mit dem Verhältnis zwischen Vater und Sohn verglichen:

 

Wie ein Vater sich über die Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, welche ihn fürchten.

 

Bei dem Propheten Hosea nennt Gott das Volk Israel als Kollektiv "meinen Sohn" (Hos 11,1):

 

Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten.

 

Diesmal ist auch eine Begründung für diese Benennung mitgeliefert: "ich gewann ihn lieb". Die innige Beziehung zwischen Gott und seinem Volk wird mit der Liebe eines Vaters zu seinem Sohn verglichen. 

Bei allen diesen Stellen handelt es sich offenbar um den bildhaften Ausdruck für das besondere Verhältnis zwischen Gott und seinem auserwählten Volk.

Bei Jesaja findet sich die Bezeichnung "Vater" zum Ausdruck des Verhältnisses zwischen Schöpfer und Geschöpf:

 

Denn du bist unser Vater; denn Abraham weiß nicht von uns, und Israel kennt uns nicht; du, HERR, bist unser Vater; unser Erlöser von alters her ist dein Name. (Jes 63,16)

Und nun, HERR, du bist unser Vater; wir sind der Ton, und du bist unser Bildner, und wir alle sind das Werk deiner Hände. (Jes 64,8)

 

Auf diese Stellen bei Jesaja geht auch das Barnabasevangelium in Kapitel 17 ein:

 

Philippus antwortete: „Herr, was sagst du? Gewiß steht bei Jesaja geschrieben, daß Gott unser Vater ist, wieso hat er dann keine Söhne?“

 

Jesus antwortet dem Philippus mit dem Hinweis auf die Bildhaftigkeit der prophetischen Sprache:

 

Jesus antwortete: „Es stehen bei den Propheten viele Gleichnisse geschrieben, achte also nicht auf den Buchstaben, sondern auf den Sinn.

 

In der sogenannten zwischentestamentarischen Zeit erscheint die Bezeichnung "Sohn Gottes" als eine Art Messiastitel, wie die Schriftrollen vom Toten Meer bezeugen:

 

Er wird der Sohn Gottes genannt werden; sie werden ihn Sohn des Allerhöchsten nennen. (4Q246 II,1)

 

Dieser Satz findet sich interessanterweise in sehr ähnlicher Form in der Geburtsgeschichte des Lukas (Lk 1,32):

 

Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.