D A S   L E B  E N   D E S   HL .   B  A R N A B A S


 

Der Apostel Barnabas ist vor allem durch seine Erwähnung als Gefährte des Paulus auf seinen Missionsreisen in der Apostelgeschichte des Lukas bekannt. Durch die starke paulinische Prägung der Apostelgeschichte tritt er jedoch hinter Paulus zurück. Daher wird nach seiner Trennung von diesem (vgl. Apg 15, 36–41) auch nicht mehr weiter über ihn berichtet. Es heißt lediglich, dass er zusammen mit Johannes Markus nach Zypern segelte (Apg 15, 39b). In der Vorbemerkung der griechisch-deutschen Ausgabe der Laudatio Barnabae (Lobrede auf Barnabas) wird dieses Schattendasein des Apostels hinter Paulus thematisiert. Barnabas gerate

 

 

 

bereits im Neuen Testament in den übermächtigen Schatten des Paulus und wird bald vollends zu dessen Mitarbeiter degradiert. In Wirklichkeit zählt er wie Petrus, Jakobus oder Paulus zu den großen Gründergestalten der christlichen Kirche. Seine unverwechselbare Bedeutung besteht darin, dass er in beiden für die Anfänge der Kirche bedeutsamen Zentren zu Hause ist und wie kein anderer an allen markanten Schnittstellen des Urchristentums in führender Funktion begegnet. Als angesehenes Mitglied der Jerusalemer Urgemeinde und Leitfigur der Christengemeinde von Antiochien, als Delegierter beim Apostelkonvent und Beteiligter am antiochenischen Zwischenfall hat er das Geschick der Kirche in ihrer Frühzeit entscheidend mitbestimmt und gleichzeitig einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Werdegang des Apostels Paulus ausgeübt.1

 

Die apokryphen Barnabasakten (Acta Barnabae) berichten dagegen ausführlich über diesen letzten Abschnitt im Leben des vergessenen Apostels, das mit seinem Märtyrertod auf der Insel Zypern besiegelt wurde. Der Hl. Barnabas soll nach dieser Überlieferung immer ein Evangelium mit sich geführt haben, das er den Kranken auflegte, um sie so zu heilen.

 

Eine weitere nicht-kanonische Quelle für das Leben des Hl. Barnabas ist die Laudatio Barnabae des Alexander Monachus (6. Jhd. n. Chr.). Hier wird zudem über die Wiederentdeckung des  Grabes und des Evangeliums des Apostels berichtet, das ihm auf seine Brust gelegt war.

 


1) vgl. Alexander Monachus: Laudatio Barnabae / Lobrede auf Barnabas (griech./dt.). Fontes Christiani, Bd. 46. Turnhout: Brepols, 2007.