Der Apostel Barnabas


 

Der Apostel Barnabas ist vor allem  als Gefährte des Paulus auf seinen Missionsreisen in der Apostelgeschichte des Lukas bekannt. Durch die starke paulinische Prägung der Apostelgeschichte tritt er jedoch hinter Paulus zurück. Daher wird nach seiner Trennung von diesem (vgl. Apg 15, 36–41) auch nicht mehr weiter über ihn berichtet. Es heißt lediglich, dass er zusammen mit Johannes Markus nach Zypern segelte (Apg 15, 39b).

Die apokryphen Barnabasakten (Acta Barnabae) berichten dagegen ausführlich über diesen letzten Abschnitt im Leben des Apostels Barnabas, das mit seinem Märtyrertod auf der Insel Zypern besiegelt wurde. Barnabas soll, so heißt es dort, nach dieser Überlieferung immer ein Evangelium mit sich geführt haben, das er den Kranken auflegte, um sie so zu heilen.

Eine weitere Quelle für das Leben des  Barnabas ist die Laudatio Barnabae des Alexander Monachus (6. Jhd. n. Chr.). Alexander berichtet u.a. ausführlich über die Wiederentdeckung des  Grabes und des Evangeliums des Apostels, das sich auf seiner Brust befand.

 

Trotz seiner 23-mailigen Erwähnung in der Apostelgeschichte bleibt Barnabas immer der profillose Reisebegleiter des Paulus, der anscheinend nie von dessen Position abweicht und in seiner Gegenwart nie das Wort ergreift. Markus Öhler hat herausgearbeitet, daß dieses Verhältnis zwischen den beiden Aposteln nicht der  Realität entsprach. Öhler deckte vielmehr auf, daß das Verhältnis zwischen Paulus und Barnabas offenbar genau umgekehrt war:

 

Es ist eher damit zu rechnen, daß Paulus Barnabas gegenüber in einer Position war, wie sie später Silas oder Timotheus für Paulus einnahmen (Apg 15,40; 16,1–3; 1 Thess 1,1; 2 Kor 1,19) – als ,Juniorpartner‘. Der leitende Apostel war jedoch Barnabas.

 

(Markus Öhler: Barnabas. Der Mann der Mitte. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2013).

 

Der Grund für diese regelrechte Beseitigung des zyprischen Apostels ist vermutlich in dem damaligen  Streit zwischen Barnabas und Paulus zu suchen, der zum Bruch beider Männer führte. Über die Gründe dieses Streits schweigt sich die Apostelgeschichte weitestgehend aus. Daß eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob Johannes Markus die beiden Apostel begleiten solle oder nicht, hierfür verantwortlich gewesen war, wie es die Apostelgeschichte will, schließt die Forschnung mittlerweile eher aus. Wolfgang Reinbold führt für die Entzweiung der beiden Apostel vielmehr folgenden Grund an:

 

In Wirklichkeit haben sie sich nicht über Johannes Markus entzweit, sondern über die Frage, ob man den Forderungen der (mit dem ‚Aposteldekret‘) nach Antiochia gekommenen Leute des Jakobus folgen solle oder nicht. Manches spricht dafür, daß Lukas um diese Tatsache auch wußte und daß er sie eskamotiert und durch die aus verschiedenen Personalnotizen gewonnene Markusepisode ersetzt hat – getreu seiner Tendenz, Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen in der frühen Kirche so weit wie möglich in den Hintergrund treten zu lassen.

(Wolfgang Reinbold: Propaganda und Mission im ältesten Christentum. Eine Untersuchung zu den Modalitäten der Ausbreitung der frühen Kirche (FRLANT 188). Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht 2000, 104f.)