EIN PROPHET  NACH  JESUS  ?

 

© Das Barnabas-Projekt 2016

 


Leonardo da Vinci: Felsengrottenmadonna  1. Version (1483–1486), Louvre, Paris
Leonardo da Vinci: Felsengrottenmadonna 1. Version (1483–1486), Louvre, Paris

Leonardo Da Vinci fertigte seine "Felsengrottenmadonna" in den Jahren 1483–86 an. Auf dem Bild sehen wir neben der Hl. Maria den Jesusknaben, wie er ein anderes Kind anbetet (das für gewönlich als Johannes der Täufer interpretiert wird). Der andere Knabe wiederum segnet Jesus, während er durch einen Engel auf Jesus aufmerksam gemacht wird. Das Bild wurde von den Auftraggebern, der „Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis“ in Mailand als zu unorthodox empfunden, so dass Leonardo eine zweite Version anfertigen musste, in der der als Johannes der Täufer identifizierte Knabe nun Jesus huldigt und dieser jenen segnet – so wie es der kirchliche Glaube verlangt. Diese Rollenvertauschung von Jesus und Johannes begegnet uns auch im Barnabasevangelium, das zur Zeit Leonardos in Italien kursierte. Jesus nimmt im Barnabasevangelium die Rolle Johannes des Täufers ein, indem er einen Propheten nach ihm ankündigt, wie Johannes dies in Joh 1,19–23 tut. Wurde Leonardo womöglich vom Barnabasevangelium zu seiner "häretischen" Darstellung inspiriert, in der Jesus einem anderen Propheten huldigt? 

 

Ein Prophet nach Jesus ?

 

(c) DAS BARNABAS PROJEKT

 

Das Barnabasevangelium berichtet uns von einem Jesus, der seine Messianität leugnet, um einen Messias nach sich anzukündigen, ähnlich wie es Johannes der Täufer in Joh 1,19–26 tut. Eine solche Messiasvorstellung kennen wir weder aus dem Christentum noch aus dem Islam. Für die Christen ist der Messias in Jesus gekommen und auch der Koran nennt Jesus "Messias" (al-Masih). Die Frage nach dem "Sitz im Leben" dieses außergewöhnlichen Messiasbegriffs konnte bis heute von der Forschung nicht gelöst werden.

 

Der Begriff „Messias“ (Gesalbter) wird im Christentum nur noch als synonymer Begriff zum Titel "Sohn Gottes" verwendet und büßte so seine ursprüngliche jüdische Bedeutung ein. Das NT belegt die Austauschbarkeit beider Begriffe an vielen Stellen, an denen beide Begriffe direkt hintereinander gestellt werden (vgl. Mt 16,16; 26,63; Mk 1,1; 14,61; Lk 4,41; Joh 11,27; 20,31; 2 Kor 1,19). Dahingegen wird in jüdischen Textzeugnissen aus der Zeit Jesu und im Alten Testament der Begriff "Messias" in unterschiedlichen Konnotationen verwendet. Die Hohepriester (und später Priester generell) sowie die Könige Israels wurden gesalbt und waren somit "Gesalbte" (vgl. Ri 9,8; 1.Sam 16,13; Ex 29; Lev 4,3; Ps 2; Ps 72; 1.Sam 24,7; 26,9). Sogar den persischen König Kyros nennt Deuterojesaja einen „Gesalbten“, da er als Werkzeug Gottes den Jerusalemer Tempel wieder aufbaute (Vgl. Jes 45,1). In den Schriftrollen aus Qumran werden neben dem „Propheten wie Mose“ zwei zukünftige Gesalbte, "die Gesalbten Israels und Aarons" angekündigt (vgl. 1QS IX 11). Die Damaskusschrift faßt die beiden Gesalbten in einen zusammen und spricht von dem „Gesalbten (Sing.) Israels und Aarons (vgl. CD XII 23f.; XIV 19; XIX 10f.; XX 1; für ein ausführliches Studium dieses Themas vgl. Stefan Schreiber: Gesalbter und König. Titel und Konzeptionen der königlichen Gesalbtenerwartung in frühjüdischen und urchristlichen Schriften. Berlin, de Gruyter 2000). Im vierten Testimonium der Testimonia aus Qumran gesellt sich zu diesen dreien noch ein kriegerischer Messias aus dem Stamm Ephraim – eine Tradition, die sich in Form der „vier Werkleute“ aus Sach 1,20 in der rabbinischen Auslegung bis ins Mittelalter weiterverfolgen lässt (vgl. 4 Q test 21–30; David C. Mitchell: Rabbi Dosa and the Rabbis differ: Messiah ben Joseph in the Babylonian Talmud. In: Alan J. Avery-Peck (Hrsg.): The Review of Rabbinic Judaism: Ancient, Medieval, and Modern. Volume 8. Leiden: Brill 2005, 77–90). Überhaupt werden die jüdischen Propheten allgemein in den Schriftrollen vom Toten Meer als „Gesalbte“ bezeichnet. Der Messiasbegriff war also im Judentum zur Zeit Jesu keineswegs von der homogenen Natur, zu der er unter dem Einfluß des Christentums wurde, indem er unabänderlich mit Jesus verknüpft wurde. Letzte Reste seiner vormaligen Heterogenität finden wir im vierten Jhd. bei Ephraem dem Syrer bezeugt, der Johannes den Täufer neben Jesus in seinem Diatessaronkommentar einen „Gesalbten“ nennt:

 

Was auch immer sie ihn auf welche Weise auch immer fragten – er (sc. Johannes) sagte: ,Ich bin nicht der Gesalbte, nicht Elija und kein Prophet, sondern die Stimme‘ (Joh 1,20–23), damit er sich nicht selbst Johannes oder einen Menschen oder einen Propheten nenne, obwohl er einer war und ein neuer Elija und Gesalbter.

(Vgl. Ephraem: Kommentar zum Diatessaron)

Die Salbung König Davids durch Samuel (Wandmalerei in der Synagoge von Dura)
Die Salbung König Davids durch Samuel (Wandmalerei in der Synagoge von Dura)

 

§ 1. Der Paraklet

 

§1.1 Die Identifizierung des Parakleten mit Muhammad

 

Der Koran teilt uns in Sure 61, Vers 6 mit, dass Jesus einen Gesandten nach ihm angekündigt habe:

 

Und als ʿĪsā, der Sohn Maryams, sagte: „O Kinder Isrāʾīls, gewiss, ich bin Allahs Gesandter an euch, das bestätigend, was von der Thora vor mir (offenbart) war, und einen Gesandten verkündend, der nach mir kommen wird: sein Name ist Amad. Als er nun mit den klaren Beweisen zu ihnen kam, sagten sie: Das ist deutliche Zauberei.

 

Der hier von Jesus verkündete Gesandte mit dem Namen "Ahmed" deutet auf den Propheten Muhammad hin, der von sich selbst in einem Hadith auch als "Ahmed" sprach (überliefert bei Muslim):

Muammad ibn Dschubair ibn Mutʿim (Möge Gottes Wohlgefallen auf ihm sein) berichtet von seinem Vater, dass der Prophet (Gott segne ihn und schenke ihm Frieden) sagte:
Ich habe folgende Namen: Ich bin Muhammad, und ich bin Ahmad [...]

إِنَّ لِي أَسْمَاءً: أَنَا مُحَمَّدٌ، وَأَنَا أَحْمَدُ

 

Nun bringt die muslimische Tradition seit frühester Zeit eine Stelle des Johannesevangeliums mit dem oben zitierten Koranvers 61,6 in Verbindung. Der muslimische Geschichtsschreiber Muammad Ibn Isāq (704–767 n. Chr.) schreibt in seiner Biographie des Propheten Muammad:

 

Zu den Prophezeiungen, die, wie ich erfahren habe, Jesus, der Sohn Mariens, im Evangelium, das für die Christen von Gott zu ihm kam, über den Propheten gemacht hat, gehört das, was der Apostel Johannes nach dem Testament Jesu im Evangelium schrieb, nämlich, dass Jesus sprach [vgl. Joh 15,23–27]:

 

Wer mich hasst, der hasst auch den Herrn. Hätte ich unter ihnen nicht die Werke getan, die vor mir kein anderer tat, hätten sie keine Sünde. Aber von nun an sind sie stolz und glauben, dass sie mich und den Herrn besiegen. Aber es muss erfüllt werden das Wort, das im Gesetz steht: "Sie hassten mich ohne Grund!" [Ps 69,5] Wenn aber Manḥammanā gekommen sein wird, den Gott euch senden wird aus der Gegenwart des Herrn, und der Geist der Wahrheit, der vom Herrn ausgegangen sein wird, dann wird er Zeugnis geben von mir, und auch ihr werdet Zeugnis geben, weil ihr von Anfang an bei mir ward. Darüber habe ich zu euch gesprochen, damit ihr nicht klagt.

 

Manammanā (المنحمنا) bedeutet auf Syrisch Muammad, auf Griechisch ist es Paraklit (البرَقْلِيطس).

 

(vgl. Ibn Isāq, Muammad: Das Leben des Propheten. Aus dem Arab. übertr. und bearb. von Gernot Rotter. Kandern: Spohr Verlag, 44)

 

Wenn Ibn Isāq hier von "Syrisch" (السريانية) spricht, meint er Aramäisch. Die Evangelienvorlage, welche er hier benutzt hat, ist nachweislich in christlich-palestinensischem Aramäisch verfasst (vgl. Sean W. Anthony: Muammad, Menaem and the Paraclete: New light on Ibn Isāqʾs (d. 150/767) Arabic version of John 15:23–16:1. In: Bulletin of SOAS 79,2 (2016)), das dem galiläischen Aramäisch, der Muttersprache Jesu, am nächsten verwandt ist. Denn nur in diesem Dialekt bedeutet  Mnamanaʾ (ܡܢܰܚܡܳܢܳܐ) wie das griechische Paraklit "Tröster". Es leitet sich von der Wurzel ܢܚܡ (nm) ab, welche "trösten", "ermutigen", "unterstützen" oder "aufrichten" bedeutet (vgl. hier). Im syrisch-aramäischen Dialekt meint es im religiösen Kontext dagegen "auferstehen". Die "Auferstehung" (ܢܽܘܚܳܡܳܐnūḥamāʾ) ist in der syrischen Übersetzung des Neuen Testaments, der Peschitta, in Joh 11,24 und 11,25 bezeugt. Mnamanaʾ ist demnach das palestinensisch-aramäische Pendant zum griechischen παράκλητος (parákletos), das in der griechischen Version von Joh 15,26 als Bezeichnng für den von Jesus angekündigten "Geist der Wahrheit" benutzt wird.

 

παράκλητος (parákletos) leitet sich von dem griechischen Verb παρακαλέω ab, was wörtlich übersetzt "herbeirufen", dann im übertragenen Sinn "zu Hilfe rufen" bedeutet. Mit "Paraklet" wurde im Griechischen vornehmlich ein Fürsprecher vor Gericht, also ein Anwalt verstanden. In deutschen Bibelübersetzungen findet man den Parakleten als "Beistand", "Helfer", "Fürsprecher" oder auch "Tröster" (Luther) übersetzt (zu Luthers Zeiten hatte das Wort "trösten" auch die Bedeutung "ermutigen").

Die hebräische Entsprechung von Mnamanāʾ ist Menaem (~xnm), "Tröster", und wird von Aquila und Theodotion in ihren griechischen Übersetzungen des Alten Testaments mit παράκλητος (parákletos) wiedergegeben, etwa in Hiob 16,2 in der Pluralform. Zudem ist Menaem ein jüdischer Messiastitel (vgl. Otto Betz: Der Paraklet. Leiden: Brill 1963, 140; Sean W. Anhony: ebd.). In der vorislamischen Periode Palestinas wurde der Messias in jüdischen Hymnen als Menaem erfleht:

 

Schicke uns den Mann, der Menaem heißt!

Rache wird von ihm hervorsprießen.

Lass ihn in unseren Tagen kommen,

Und möge die Macht auf seinen Schultern ruhen.

 

Ibn Ishaqs Identifizierung des aramäischen Mnamanaʾ mit dem griechischen Parakletos ist also, wie sich gezeigt hat, völlig korrekt. Er irrt sich jedoch in seiner Gleichsetzung dieses aramäischen Begriffes mit dem arabischen Muammad ("Gepriesener"). Die arabische Wurzel حمد (md, "preisen") entspricht der hebräischen Wurzel d~x (md, syrisch ܚܡܕ, "begehren", "lieben"). Hieran wird deutlich, dass Ibn Isāq vermutlich keine Kenntnisse des Aramäischen besaß. Diese Ansicht wird auch von der Forschung vertreten, wobei einige Forscher in seinem Großvater einen Aramäisch sprechenden Christen vermuten (vgl. Sean W. Anthony: ebd.). Er identifizierte die beiden Begriffe vermutlich allein aufgrund der lautlichen Ähnlichkeit Mmd <–> Mnmnʾ. Hieraus folgt aber auch, dass er das Wort Mnamanāʾ tatsächlich aus einer syrischen Version des Johannesevangeliums (oder einer sekundären christlichen Quelle) entnommen haben muss, da er die Identifizierung der Begriffe Mnamanāʾ und Parakletos aufgrund seiner mangelnden Aramäischkenntnisse nicht selbst hätte vollziehen können.

 

 

§1.2 Paraklet oder Periklyt?

 

Ein  anderer heute bei muslimischen Autoren beliebter Ansatz vermutet hinter dem Begriff  Parakletos ein ursprüngliches Periklytos. Wie die gekennzeichneten Buchstaben zeigen, kann aus dem ersten Wort durch Änderung dreier Vokale das letztere entstehen (a-a-e --> e-i-y). Periklytos hat eine sehr ähnliche Bedeutung wie das in Sure 61,6 erwähnte "Ahmed". Periklytos bedeutet wörtlich "über den man spricht", und dann in übertragener Bedeutung "weithin berühmt", und rückt so in unmitelbare Nähe zu "Ahmed", dem "Hochgepriesenen".

Die Laune des Schicksals wollte es, dass nicht die Muslime, sondern ein katholischer Ordenspriester namens Ludovico Marracci (1612–1700) im Kommentar zu seiner lateinischen Koranübersetzung (Refutatio Alcorani : In qua ad Mahumetanicae superstitionis radicem securis apponitur & Mahumetus ipse gladio suo iugulatur. Patavii: Typographia Seminarii 1698, 26f.) zuerst auf diese bemerkenswerte Entsprechung aufmerksam machte – wohlgemerkt, um die muslimische Ausdeutung des johanneischen Parakleten zu widerlegen. Er schreibt in harscher christlicher Polemik:

[Zu Sure 61, Vers] 6: "Sein Name ist Ahmed". Mahomet wurde mit zweierlei Namen benannt: أحمد Ahmad und محمد Mohammad, beide mit fast gleicher Bedeutung. Ersterer bedeutet nämlich "der Gepriesenste", letzterer wiederum "der Gepriesene". Aber keiner von beiden passt zu solch einem gottlosen Menschen, dem tadelnswertesten unter allen Sterblichen. Ich vermute, dass irgendein griechischsprachiger Abtrünniger davon überzeugt war, dass Mahomet der Heilige Geist sei, den Christus verheißen hat, der dort nicht παρακλητος "Paraklet" genannt worden sei, d.h. "Fürsprecher" oder "Tröster", sondern περικλυτος "Periklyt", d.h. "sehr berühmt" und "gefeiert", was hinreichend mit dem Namen "Ahmed", dem "Gerpiesensten", übereinstimmt.

Hierzu ist aus textkritischer Sicht folgendes zu bemerken. Der Begriff Periklytos wird im Neuen Testament oder den griechischen Kirchenvätern nie benutzt. Er taucht fast ausschließlich bei den alten griechischen Dichtern (vor allem Homer) auf und ist für die Zeit Jesu nur an einer einzigen Textstelle bei dem griechischen Geschichtsschreiber Dionysos von Harlikarnassos in dessen Werk Antiquitates Romanae (VII,72) belegt (vgl. hier).

 

§1.3 Der Periklyt im Barnabasevangelium ?

 

Wenn man das Barnabasevangelium für eine muslimische Fälschung hält, müsste man erwarten, dass einer so früh bezeugten und bei muslimischen Gelehrten weit verbreiteten Auslegung von Joh 15,23–16,1 in diesem muslimischen Evangelium eine exponierte Stellung eingeräumt würde. Doch suchen wir dieses Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern dort vergeblich. Es gibt aber einen interessanten Satz im 97. Kapitel des Barnabasevangeliums:

 

Da sagte der Priester: „Wie wird der Messias heißen, und welches Zeichen wird seine Ankunft enthüllen?“ Jesus antwortete: „Der Name des Messias ist bewundernswert, denn Gott selbst gab ihm den Namen, als er seine Seele erschuf und sie mit himmlischem Glanz umgab.

 

(EBV) Disse allora il pontifice chome sara chiamato il messia he quale segno dimosstrera la sua uenuta. Risspose iessu il nome del messia he admirabile perche DIO propio li posse il nome qando elgi hebe chreato la anima sua he chollochata intuno splendore cellesste

 

(EBS) Dixo el Pontífice: ¿Cómo será llamado el Messías y cómo se sabrá de su venida y vinienda? Respondió Jesús: El nombre del Nuncio de Dios es admirable, porque el propio Dios se le puso después de aver criado su ánima y collocádole en un esplendor celestial.

 

"Der Name des Messias ist bewundernswert" ist zunächst dem "sein Name ist ahmed (="hochgepriesen") sehr ähnlich, wenn man das "ahmed" hier nicht als Eigennamen, sondern als Adjektiv versteht – wie dies auch einige muslimische Gelehrte vertraten (vgl. Sean W. Anthony: ebd., 277). Außerdem stellt das admirabile eine sehr genaue Entsprechung des griechischen περικλυτός (periklytós = "sehr berühmt") dar. Hätte ein vermeintlicher Fälscher der Schrift, wenn er auf den Parakleten einerseits und das "Ahmed" aus Sure 61,6 anspielen wollte, dies wirklich auf so kryptische Weise getan? Es sieht vielmehr danach aus, als wäre – falls diese Tradition hier zugrundeliegen sollte – Jesu Ankündigung eines Parakleten/Periklyten unter mehreren Redaktionen und Übersetzungen des Textes begraben worden, so dass diese Stelle, als die Schrift in muslimische Hände geriet, von den Muslimen nicht mehr mit dem Parakleten aus dem Johannesevangelium in Verbindung gebracht werden konnte.

 

§ 1.4   Heterodoxe christliche Parakletenerwartungen

 

Ein berühmter lutherischer Kirchenhistoriker des 18. Jhds., Johann Lorenz Mosheim, berichtet uns über zwei prophetische Gestalten des 2. und 3. Jhd. n. Chr., die sich für den von Jesus verkündeten Parakleten hielten:

 

Montanus unterschied den Paracletus, der den Aposteln von Christo verheißen war, von dem über sie ausgegossenen heiligen Geiste, und hielt dafür, daß ein göttlicher Lehrer unter dem Namen des Paracletus von Christo angezeigt worden, der einige Stücke der Religion, welche unser Heiland übergangen habe, ergänzen, und andere, die aus guten Gründen nur unvollkommen vorgetragen wären, deutlicher erklären würde. Und diesen Unterschied machte Montanus nicht allein: denn auch andere Lehrer der Christen hielten dafür, dass der Paracletus, dessen Ankunft Christus versprochen hatte, von dem heiligen Geist unterschieden und ein göttlicher Gesandte wäre. Im dritten Jahrhundert erklärte Manes [=Mani] die Verheißung Christi von dem Paracletus auf gleiche Art und rühmte sich, daß er derselbe Paracletus wäre.

 

Mosheim verknüpft diese Traditionslinie nun direkt mit dem Islam:

 

Und wem ist unbekannt, dass Mahumed nicht anders geurtheilet und die Worte Christi von dem Paracletus auf sich gezogen habe?

 

[J. A. Ch. von Einem (Hrsg.): J. L. Mosheims vollständige Kirchengeschichte des Neuen Testaments, aus dessen lateinischen Werken frey übersetzt, Bd. I Leipzig: Weygand, 1769, 462]

 

Wohingegen über Montanus außer einigen wenigen Zitaten nichts überliefert ist, gibt es über den Propheten Mani (216–276 n. Chr.) etwas mehr zu berichten. Eusebius schreibt in seiner Kirchengeschichte (VII, 31,1) über ihn:

 

τοτὲ μὲν τὸν παράκλητον καὶ αὐτὸ τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον αὐτὸς ἑαυτὸν ἀνακηρύττων καὶ τυφούμενός γε ἐπὶ τῇ μανίᾳ, τοτὲ δέ, οἷα Χριστός, μαθητὰς δώδεκα κοινωνοὺς τῆς καινοτομίας αἱρούμενος

 

Bald gab er sich selbst, aufgeblasen in seinem Wahnsinn, als den Parakleten und den Heiligen Geist aus, bald erwählte er wie Christus zwölf Jünger zu Genossen seiner Neuerung.

 

Augustinus, der vor seiner Konversion zum Christentum selbst einige Jahre lang Anhänger des Manichäismus war, zitiert in seiner Streitschrift Contra Felicem Manichaeum (I, 9) aus einem Werk des Manichäers Felix:

[...] suscepimus eum secundum quod Christus dixit: Mitto vobis Spiritum sanctum. Et Paulus venit et dixit quia et ipse venturus est, et postea nemo venit; ideo suscepimus Manichaeum. Et quia venit Manichaeus, et per suam praedicationem docuit nos initium, medium et finem; docuit nos de fabrica mundi, quare facta est, et unde facta est, et qui fecerunt; docuit nos quare dies et quare nox; docuit nos de cursu solis et lunae; quia hoc in Paulo non audivimus, nec in ceterorum Apostolorum scripturis; hoc credimus, quia ipse est Paracletus.

Wir haben ihn [Mani] angenommen, gemäß dem, was Christus gesagt hat: 'Ich sende euch den Heiligen Geist' (Joh16,7). Auch Paulus ist gekommen, und auch er selbst hat gesagt, dass er kommen soll, und nachher ist niemand gekommen; daher haben wir Mani angenommen. Und weil Mani gekommen ist und uns durch seine Predigt den Anfang, die Mitte und das Ende gelehrt hat, [so] hat er uns belehrt über den kunstvollen Bau der Welt, [...] er hat uns über den Lauf der Sonne und des Mondes belehrt: Weil wir dieses bei Paulus nicht gehört haben und auch nicht in den Schriften der übrigen Apostel, glauben wir dies, dass er selbst der Paraklet ist.

[Übersetzung nach Thomas Freibott: Augustinus und der Manchäismus.  (Diplomarbeit) Wien 1996, 66]

 

Nach dem persischen Universalgelehrten Abū Raiḥān Bīrūnī (973–1048 n. Chr.) soll Mani sich zudem – wie der Prophet Muhammad – als "Siegel der Propheten" bezeichnet haben. Er sah sich als die letzte Inkarnation des "wahren Propheten" (siehe §4.), dem nach der judenchristlichen Lehre, wie sie uns in den klementinischen Schriften überliefert ist, seit Adam viele Propheten vorausgingen.

 

Diese Bezeugung der Erwartung eines die Reihe der Gottgesandten abschließenden Propheten, den Jesus als Parakleten angekündigt hat, deutet darauf hin, dass eine in gewissen christlichen Gruppen lebendige Tradition der Erwartung dieses Propheten im Zeitraum zwischen Jesus und Muhammad im Nahen Osten vorhanden war.

 

 

§ 2. Der "Heilige Geist"

Jesus selbst nennt im Johannesevangelium den Parakleten den "Heiligen Geist" (Joh 14,26) bzw. den "Geist der Wahrheit" (16,13). Doch was ist der Heilige Geist? Was verstand man damals unter diesem Begriff? Der "Heilige Geist" begegnet uns im Neuen Testament im Zusammenhang mit der Taufe Jesu, wo der Heilige Geist in Form einer Taube auf Jesus herabkam (vgl. Mt 3,16 parr.). Diese Herabkunft des Heiligen Geistes auf einen Menschen ist jedoch nicht ein Ereignis, das nach jüdischer Vorstellng nur Jesus widerfuhr. Es ereignete sich viele Male zuvor in der Geschichte Israels. Der "Heilige Geist" wird in der jüdischen Tradition vor allem im Zusammenhang mit der Berufung eines Propheten benutzt, welcher durch die Herabkunft des Heiligen Geistes auf ihn zum Prophet wird. Durch die Beseelung mit dem Heiligen Geist der Prophetie spricht dieser durch den Propheten das Wort Gottes zu den Menschen. Hermann Strack und Paul Billerbeck bemerken hierzu folgendes:

 

In Israel eignete anfänglich der Geist der Prophetie dem ganzen Volk. Nicht bloß die Erzväter u. Erzmütter "schauten im Heiligen Geist", sondern alle Frommen u. Rechtschaffenen waren vermöge ihrer prophet. Begabung in Gottes Geheimnisse eingeweiht. Ganz allgemein kann deshalb einmal gesagt werden, daß sich die Israeliten in der früheren Zeit der unmittelbaren Leitung durch den ihnen innewohnenden heiligen Geist erfreut hätten, bis ihnen nach der Sünde mit dem goldenen Kalb ein Engel als Leiter bestellt worden sei. In der folgenen Zeit war dann der Heilige Geist der Prophetie nur noch im Besitz derjenigen Männer, die sich Gott je u. je erkor, um durch sie seinen Willen seinem Volk kundzutun.

(Hermann L. Strack/ Paul Billerbeck: Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch. Zweiter Band: Das Evangelium nach Markus, Lukas und Johannes und die Apostelgeschichte. München: C. H. Beck 102009, 128).

 

Darstellung des Heiligen Geistes in Form einer Taube im Petersdom
Darstellung des Heiligen Geistes in Form einer Taube im Petersdom

Jesus war also einer unter vielen Propheten Israels, auf den der Heilige Geist herabkam. Wenn Jesus nun seinen Jüngern ein erneutes Kommen des Heiligen Geistes ankündigte, dann hieße das nach jüdischem Verständnis, daß der Geist der Prophetie auf einen weiteren "Beistand", einen weiteren Propheten herabkommen wird.

Das wiederholte Herbakommen des Heiligen Geistes auf die Propheten erinnert an die Lehre vom "wahren Propheten", welche den judenchristlichen Ebioniten eigen war. Jürgen Wehnert schreibt in der Einleitung zu seiner Übersetzung des Klemensromans (Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht 2015):

 

Seine Würde gewinnt Jesus nicht aufgrund seiner Erhöhung zu Gott, sondern als eine Verkörperung des von göttlichem Vorherwissen erfüllten "wahren Propheten". Dieser lehrt die Menschen seit Adams Zeiten in immer neuer Gestalt, was zu ihrer Rettung dient.

 

Eine andere, mit den Ebioniten nahe verwandte Gruppierng, die Elkesaiten, erwarteten ein weiteres Erscheinen des "wahren Propheten" – des "Christus", wie sie sich ausdrückten – nach Jesus (Vgl. Hans Joachim Schoeps: Theologie und Geschichte des Judenchristentums, 327). Die Ankündigung eines "Christus" oder "Messias" nach Jesus, wie wir es im Barnabasevangelium lesen, kommt dieser Vorstellung verblüffend nahe. Letzte Reste einer solchen Erwartung finden wir auch in der syrischen Version der Recognitionen bestätigt, wo es heißt (Rec. 1,16f.):

Diesen Menschen (syr. ܐܢܫ  ʾenȏš) nenne ich den Beistand (syr.: ܡܥܰܕܪܳܢܳܐ madrono), "den Propheten", der allein die Seelen der Menschen zu erleuchten vermag, sodaß sie mit ihren Augen den Weg zur ewigen Rettung sehen können. [...] Daher ist es zunächst nötig, den Propheten durch eine wahrheitsgemäße Untersuchung auf sein Prophetentum hin zu überprüfen, um ihm hernach in allen Dingen zu glauben und nie mehr auch nur eine von ihm gesagte Sache anzuzweifeln, sondern alles als zuverlässige Wahrheit gläubig anzunehmen und für die Zukunft als sichere Unterscheidung zu bewahren. [...] Deswegen ist es als allererstes vonnöten, den wahren Propheten zu suchen, denn ohne diesen ist es den Menschen unmöglich, sich etwas Wahrem zu nähern. Und auf dieselbe Weise beruhigte er mich, indem er mir auseinandersetzte, wer er sei und wie man ihn finden könne. [...] Und er zeigte mir deutlich, daß die Rede des Propheten, die man mit den Ohren hört, dasjenige an Klarheit übertrifft, was man gewöhnlich mit den Augen sieht.

 

Die Aussage "indem er mir auseinandersetzte, wer er sei und wie man ihn finden könne" deutet unmißverständlich auf einen noch nicht erschienen Propheten hin.

Wie wir in § 2 bereits sahen, haben auch Montanus und Mani das Kommen des Heiligen Geistes bzw. des Parakleten als ein Erscheinen in einem Menschen verstanden. Mani entstammte selbst, wie man erst seit dem 1969 in Kairo entdeckten Kölner Mani-Kodexes weiß, der judenchristlichen Gemeinschaft ebenjener Elkesaiten, welche diese Erwartung eines Christus nach Jesus hatten. Mani sah in sich offenbar diesen Christus gekommen, doch wurde er von der Gemeinschaft nicht akzeptiert, worauf er sie verließ und fortan missionierend herumreißte, um die Menschen davon zu überzeugen, daß er der von Jesus verkündete Paraklet sei.

 

 

 

 

§ 3. Der Prophet wie Mose

Auch eine Bibelstelle des Alten Testaments wird mit dem Propheten Muhammad in Verbindung gebracht. In 5 Mose 18,18 wird dem Propheten Moses von Gott ein Prophet angekündigt, der ihm gleich oder ähnlich sein wird:

 

[Septuaginta]

προφήτην ἀναστήσω αὐτοῖς ἐκ τῶν ἀδελφῶν αὐτῶν ὥσπερ σὲ καὶ δώσω τὸ ῥῆμά μου ἐν τῷ στόματι αὐτοῦ, καὶ λαλήσει αὐτοῖς καθότι ἂν ἐντείλωμαι αὐτῷ·

 

Einen Propheten, gleich dir, will ich ihnen aus der Mitte ihrer Brüder erwecken; und ich will meine Worte in seinen Mund legen, und er wird zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde.


 

Diese Prophezeiung des Moses klingt auch in der Erzählung der Samaritanerin am Brunnen (Joh 4,4–42) an. Da die Samaritaner nur die fünf Bücher Mose und das Buch Josua als Heilige Schriften akzeptieren, jedoch nicht die jüdischen Propheten und die Psalmen Davids, in denen der davidische Messias angekündigt wird, erwarten sie nur den bei Mose angekündigten Propheten, den sie den Taheb, den "Wiederhersteller" nennen. Die Erwartung dieses "Neuen Moses" hat bei den Samaritanern eine so zentrale Bedeutung, dass in ihrem Pentateuch seine Ankündigung in 1 Mose 18,18 gleich im Anschluss an die zehn Gebote (2 Mose 20,2–17) noch einmal wiederholt wird, gleichsam als eine Art „elftes Gebot“, das die Erwartung seiner Ankunft zur Pflicht erklärt. (vgl. Benyamim Tsedaka,/Sharon Sullivan: The Israelite samatarian version of the torah. Grand Rapids/ Cambridge: William B. Erdmans Publishing Company 2013) In Joh 4,25 macht jene samaritanische Frau Jesus gegenüber folgende auf den mosaischen Propheten bezogene Äußerung:

 

λέγει αὐτῷ ἡ γυνή, Οἶδα ὅτι Μεσσίας ἔρχεται ὁ λεγόμενος χριστός· ὅταν ἔλθῃ ἐκεῖνος, ἀναγγελεῖ ἡμῖν ἅπαντα.

Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen.


 

Dass die Samaritanerin hier von dem "Messias" redet, täuscht nach allgemeinem wissenschftlichen Konsens nicht über die Tatsache hinweg, dass sie hier den samaritanischen Taheb meint. Jarl Fossum bemerkt hierzu:

 

Das Wort „Messias“ aber macht auf den Lippen einer samaritanischen Frau keinen Sinn. Vielmehr ist der Satz „Messias […], der da Christus heißt“ so auffallend, dass H. Odeberg vorgeschlagen hat, dass die Quelle ursprünglich „Ta’eb, den (von den Juden) so genannten Messias“ geheißen habe.

(Jarl Fossum: Sects and Movements. In: Alan David Crown: The Samaritans, 345 [Fußnote 214])

 

Verlgeicht man den Wortlaut von Joh 4,25 mit demjenigen von 5 Mose 18,18, so zeigt sich eine inhaltliche Nähe:

 

5 Mose 18,18

[...] und ich will meine Worte in seinen Mund legen, und er wird zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde.

Joh 4,25

[...] wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen.


 

 

§ 4. Der Menschensohn

 

Der neutestamentliche Kanon erwähnt an mehreren Stellen eine von Jesus angekündigte eschatologische Gestalt, welche als „Menschensohn“ (Bar ’Enȏš) bezeichnet wird. In den vier Evangelien scheint es, als redete Jesus von sich selbst als Menschensohn, da er Ereignisse seines eigenen Lebens mit dem Subjekt „Menschensohn“ verbindet, so als redete er von sich selbst in dritter Person:

 

Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!1

 

Insgesamt gibt es drei Kategorien von Menschensohnworten in den Synoptikern, die von Rudolf Bultmann bezüglich ihrer Authentizität folgendermaßen bewertet werden:

 

sie reden 1. vom kommenden, 2. vom leidenden und auferstehenden, 3. vom gegenwärtig wirkenden „Menschensohn“. [...] allein die erste Gruppe enthält älteste Überlieferung. Die zu ihr gehörigen Worte reden vom ,Menschensohn‘ in dritter Person.2

 

Der Bultmannschüler Heinz Eduard Tödt bestätigt in seiner Dissertation3 die These seines Lehrers. Alle anderen Menschensohnworte, in denen Jesus in der Gegenwart spricht, sowie all diejenigen, welche sich auf das zukünftige Leiden des Menschensohnes beziehen, seien laut Tödt nachösterlichen Ursprungs.4 Auch redet Jesus immer vom Menschensohn in der dritten Person und identifiziert sich an keiner Stelle mit diesem. Bultmann zufolge

 

enthält die synoptische Überlieferung keine Worte, in denen Jesus gesagt hat, er werde dereinst (demnächst) wiederkommen […] In den Worten, die vom Kommen des ,Menschensohnes‘ reden, ist gar nicht daran gedacht, dass dieser ,Menschensohn‘ schon da ist und erst durch den Tod entfernt werden muss, um dann vom Himmel wieder kommen zu können.5

 

Dass die Worte vom kommenden Menschensohn schon früh in der Urgemeinde auf Jesus selbst bezogen wurden, war eine Reaktion innerhalb der Urgemeinde auf die schockierende Zäsur der Kreuzigungsereignisse und der darauffolgenden frohen Botschaft der Wiederauferstehung. Die eschatologische Neudeutung der Heilsereignisse hatte ihre Grundlage im Jesuswort von der Davidsohnfrage (Mk 12, 35–37 parr.):

 

Und Jesus hob an und sprach, als er im Tempel lehrte: Wie sagen die Schriftgelehrten, dass der Christus Davids Sohn sei? 36 [Denn] David selbst hat in dem Heiligen Geiste gesagt: "Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße". 37 David selbst [also] nennt ihn Herr, und woher ist er sein Sohn? - Und die große Menge des Volkes hörte ihn gern.

 

Diese Frage wird in den Synoptikern nicht ohne Grund als die letzten öffentlichen Worte Jesu vor seiner Kreuzigung präsentiert. Jesus offenbart sich hier vor allem Volk als himmlischer „Menschensohn“ (bzw. „Gottessohn“), der in seiner Erhöhung über David steht und deshalb nicht mehr dessen Spross genannt werden kann (als der er zuvor präsentiert wurde), weil er durch seinen Sühnetod der Sohn Gottes wird. Der schwerfällige Charakter dieser Ausdeutung  springt einem sofort ins Auge. Doch so seltsam sie sein mag: sie ist seit frühester Zeit belegt. Schon im Römerbrief finden wir die Worte.

 

Der aus dem Samen Davids gekommen ist dem Fleische nach, und als Sohn Gottes in Kraft erwiesen dem Geiste der Heiligkeit nach durch Totenauferstehung.6

 

Jesu irdische Mission als Sohn Davids wäre demnach mit seinem unmittelbar bevorstehenden Kreuzestod beendet und es begänne mit der darauffolgenden Auferstehung seine himmlische Erhöhung „zur Rechten Gottes“, wie es in Ps 110,1 heißt. An dieser Stelle wird die Davidsohnfrage mit dem von Jesus angekündigten Menschensohn verknüpft. Mk lässt Jesus selbst vor dem Hohen Rat diese Beziehung herstellen (vgl. Mk 14, 62f.):

 

Wiederum fragte ihn der Hohepriester und spricht zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Gesegneten? Jesus aber sprach: Ich bin's! Und ihr werdet den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des Himmels.

 

Die theologische Komposition dieser Stelle ist klar erkennbar. Nach Martin Dibelius „ist kaum anzunehmen, dass die christlichen Gemeinden einen Augenzeugen zur Verfügung hatten, der ihnen hätte berichten können, dass Jesus sagte: ,Ich bin es‘“.7 H. E. Tödt ergänzt, dass „eine solche bewusste Zusammenordnung der verschiedenen christologischen Prädikate gewiss nicht in ein frühes Stadium der synoptischen Tradition“ zu datieren und somit „der nachösterlichen Gemeinde zuzuschreiben“ sei.8 Das Jesuswort, mit dem Ps 110,1 hier verbunden wurde, findet sich wiederum in der Endzeitrede Jesu:

 

Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit. 9

 

Dieser Satz ist ein indirektes Schriftzitat von Dan 7,13:

 

Ich schaute in Gesichten der Nacht: und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen.

 

Das Zitat aus Daniel gehörte, Tödt zufolge, nicht dem ursprünglichen Menschensohnwort an, sondern wurde nachträglich zum Beweis der Konformität mit der jüdischen Tradition eingefügt, da „kein authentisches Jesuswort sich auf ein Menschensohnwort der Schrift – sei es nun Dan 7,13f. oder eine andere apokalyptische Schriftstelle – bezieht“.10

 

Die Ankündigungen Jesu von einem kommenden Menschensohn wurden also von der ersten Gemeinde nach dem schockierenden Kreuzestod des Heilands und den hoffnungsvollen Berichten von seiner Wiederauferstehung so interpretiert, dass Jesus in den Menschensohnworten von sich selbst als Auferstandenem und Erhöhtem geredet haben muss. In diesen Kontext fällt auch die Davidsohnfrage, derzufolge Jesus von sich selbst in zwei Personen spricht: dem Davidsohn und dem Menschensohn. An dieser Stelle müssen wir mit Bultmann fragen: Meinte Jesus wirklich in seinen Ankündigungen eines Kommenden sich selbst oder war dies eine Interpretation seitens der Gemeinde?11

 

Die „Sektenregel“ aus Qumran nennt drei zu erwartende Heilsgestalten:

 

Und von keinem Rat des Gesetzes sollen sie abweichen, um in aller Verstocktheit ihres Herzens zu wandeln, sondern sie sollen nach den früheren Bestimmungen gerichtet werden, durch welche im Anfang die Männer der Gemeinschaft in Zucht gehalten worden sind, bis dass der Prophet und die Gesalbten Aarons und Israels kommen.12

 

 

Es liegt nahe, in den beiden hier erwähnten Gesalbten den Davididen Jesus und den Leviten13 und Priestersohn Johannes zu sehen. Noch Ephraem der Syrer nennt Johannes den Täufer neben Jesus in seinem Diatessaronkommentar einen „Gesalbten“14 – eine für das heutige römisch-paulinische Christentum unorthodoxe Sichtweise. Der hier genannte „Prophet“ schließlich ist der bei Moses angekündigte endzeitliche Gesetzgeber (vgl. 5 Mose 15,18).

 

Sogar das Neue Testament bezeugt die Unterscheidung zwischen dem Gesalbten (Christus) und „dem Propheten“:

 

Etliche nun aus der Volksmenge sagten, als sie diese Worte hörten: Dieser ist wahrhaftig der Prophet. Andere sagten: Dieser ist der Christus. Andere sagten: Der Christus kommt doch nicht aus Galiläa? Hat nicht die Schrift gesagt: Aus dem Samen Davids und aus Bethlehem, dem Dorfe, wo David war, kommt der Christus? Es entstand nun seinethalben eine Spaltung in der Volksmenge.15

 

Die frühe Gemeinde hat diese getrennten Heilsgestalten des Gesalbten aus Davids Stamm und des "Neuen Moses" in Jesus Christus verschmolzen, wie etwa die Rede des Petrus (Apg 3) oder die Rede des Stephanus (Apg 7) bezeugen. Sie ist auch in der schon erwähnten Spaltung der Person Jesu in den Davidsohn und den Menshensohn erkennbar (s.o. Davidsohnfrage, Römerbrief, etc.).

 

Johannes der Täufer redet im Johannesevangelium über einen, "nach ihm kommt und vor ihm war" (Joh 1,27). Meinte Johannes an dieser Stelle Jesus? Die Frage des Johannes an Jesus, die er ihn aus dem Gefängnis durch seine Jünger stellen lässt, zeugen von einer gewissen Unsicherheit des Johannes (Mt 11,2–3):

 

Als aber Johannes im Gefängnis die Werke des Christus hörte, sandte er durch seine Jünger und ließ ihm sagen: "Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?

 

Wenn Jesus für Johannes unbestreitbar der Messias Israels war, warum fragt er ihn dann nach einem anderen, der noch nach ihm kommen soll? Hat vielleicht auch Johannes der Täufer – ähnlich der qumranischen Gemeinderegel (s.o.) – zwei verschiedene eschatologische Heilsgestalten erwartet – den Messias ben David und den endzeitlichen Gesetzgeber, welcher im Johannesevnagelium "der Prophet" genannt wird (Joh 7,40–43)?

 

Der Menschensohn (Bar ’Enȏš) findet sich alsEnȏš bei den aramäischstämmigen Mandäern wieder, die aus einer johanneischen Täufersekte entstanden sind und von denen bis heute eine Enklave im Südirak und dem angrenzenden Iran existiert. Wurde also der Bar ’Enȏš von Johannes angekündigt, wenn er bei den Mandäern, die Traditionen des Täufers bewahrten und diesen hoch verehren, Erwähnung findet? Dass sie  aus christlichen Quellen stammen, ist zumindest unwahrscheinlich, da sie dem Christentum geradezu feindlich gegenüberstehen und Jesus bei ihnen sogar eine Art "Antichrist" darstellt. Die Mandäer warten also auf einen Enȏš, der nicht mit Jesus identisch ist. In ihrer bedeutendsten heiligen Schrift, dem Sidra Rabba (Buch 2, 1) heißt es über Jesus:

 

Wenn Johannes in jenem Zeitalter Jerusalems lebt, den Jordan nimmt und die Taufe vollzieht, kommt Jesus Christus, geht in Demut einher, empfängt die Taufe des Johannes und wird durch die Weisheit des Johannes weise. Dann aber verdreht er die Rede des Johannes, verändert die Taufe im Jordan und predigt Frevel und Trug in der Welt. Christus wird die Völker spalten, die zwölf Verführer ziehen in der Welt umher. In jenem Zeitalter bewährt euch, ihr Wahrhaftigen.

 

Der Orientalist Hans Heinrich Schaeder sah zusammen mit Rudolf Bultmann denEnȏš der Täufertradition auch im Prolog des Johannesevangeliums beschrieben, dessen Autor den zum Eigennamen gewordenen aramäischen BegriffEnȏš („Mensch“) wörtlich mit „Mensch“ (griech. ἄνθρωπος) übersetzte, anstatt ihn als Eigennamen stehen zu lassen. Hierbei wird derEnȏš mit Johannes identifiziert (Joh 1,6):

 

Da war ein Mensch (Enȏš ), von Gott gesandt, sein Name Johannes

 

Schaeder vermutete im Johannesprolog einen Hymnus aus der Tradition der Johannesjünger und versuchte, den Text in seine ursprüngliche Sprache, das Aramäische, zurückzuübersetzen. Die letzten Zeilen des Prologes lauteten demnach folgendermaßen:

 

Es ward ’Enȏš von Gott gesandt

Er war das Licht der Kušṭā (Wahrheit), das alles erleuchtet,

Enȏš, der in die Welt kommt.

 

Der griechische Text ließe auch folgende Übersetzung zu:

 

Erschaffen (Ἐγένετο) wurde ’Enȏš,

der Gesandte Gottes (ἀπεσταλμένος παρὰ θεοῦ)

Er war das Licht der Wahrheit, das alles erleuchtet,

Enȏš, der in die Welt kommt.

 

Es könnte sich demnach ursprünglich um einen Schöpfungshymnus gehandelt haben, der Gottes Erschaffung des "Erstgeborenen aller Schöpfung" (πρωτότοκος πάσης κτίσεως) beschreibt, wie Paulus den von ihm mit Jesus identifizierten Menschensohn in Kol 1,15 nennt. Paulus fährt fort (Kol 1,16):

 

Denn durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen.

In der Johannesapokalypse lesen wir schließlich über "einen gleich dem Sohne des Menschen" (Offb. 1,13), welcher von sich sagt (Offb. 3,14):

 

Dies sagt ,der Amen‘, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes ...

 

Im Johannesprolog sah Schaeder „Bruchstücke eines spätjüdischen Literaturzweiges erhalten, dessen Originale verloren sind, der im NT benutzt, aber bis zur Unkenntlichkeit umstilisiert, und der von der rabbinischen Orthodoxie totgeschwiegen ist“. Hieraus wird deutlich, dass wohl auch die Täuferbewegung jener Zeit Vorhersagen über den Menschensohn beheimatete, diese aber – zumindest in gewissen Kreisen – in Johannes erfüllt sahen, so wie die Christen diese auf Jesus bezogen.

 

 

(c) Das Barnabas-Projekt www.barnabas-evangelium.de, 2015

 

 Joh 14,15–26

Ἐὰν ἀγαπᾶτέ με, τὰς ἐντολὰς τὰς ἐμὰς τηρήσετε κἀγὼ ἐρωτήσω τὸν πατέρα καὶ ἄλλον παράκλητον δώσει ὑμῖν, ἵνα μεθ᾽ ὑμῶν εἰς τὸν αἰῶνα ᾖ, τὸ πνεῦμα τῆς ἀληθείας, ὃ ὁ κόσμος οὐ δύναται λαβεῖν, ὅτι οὐ θεωρεῖ αὐτὸ οὐδὲ γινώσκει· ὑμεῖς γινώσκετε αὐτό, ὅτι παρ᾽ ὑμῖν μένει καὶ ἐν ὑμῖν ἔσται. [...]  ὁ δὲ παράκλητος, τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον, ὃ πέμψει ὁ πατὴρ ἐν τῷ ὀνόματί μου, ἐκεῖνος ὑμᾶς διδάξει πάντα καὶ ὑπομνήσει ὑμᾶς πάντα ἃ εἶπον ὑμῖν [ἐγώ].

Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote; und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr [aber] kennet ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. [...] Der Beistand aber, der Heilige Geist, welchen der Vater senden wird in meinem Namen, jener wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.



Lk 12,40

καὶ ὑμεῖς γίνεσθε ἕτοιμοι, ὅτι ᾗ ὥρᾳ οὐ δοκεῖτε ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου ἔρχεται.

Auch ihr nun, seid bereit; denn in der Stunde, in welcher ihr es nicht meinet, kommt der Menschen- sohn.



 Mt 10,23

ὅταν δὲ διώκωσιν ὑμᾶς ἐν τῇ πόλει ταύτῃ, φεύγετε εἰς τὴν ἑτέραν · ἀμὴν γὰρ λέγω ὑμῖν, οὐ μὴ τελέσητε τὰς πόλεις τοῦ Ἰσραὴλ ἕως ἂν ἔλθῃ ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου.

Wenn sie euch aber verfolgen in dieser Stadt, so fliehet in die andere; denn wahrlich, ich sage euch, ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende sein, bis der Menschensohn gekommen sein wird.



Mt 11,2–3

Ὁ δὲ Ἰωάννης ἀκούσας ἐν τῷ δεσμωτηρίῳ τὰ ἔργα τοῦ Χριστοῦ πέμψας διὰ τῶν μαθητῶν αὐτοῦ εἶπεν αὐτῷ, Σὺ εἶ ὁ ἐρχόμενος ἢ ἕτερον προσδοκῶμεν;

Als aber Johannes im Gefängnis die Werke des Christus hörte, sandte er durch seine Jünger und ließ ihm sagen: "Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?"



Syrische Recognitionen I,16f.

(Hom. I,19f.)

[W. Frankenberg: Die syrischen Clementinen mit griechischem Paralleltext. Leipzig: J.C. Hinrichs 1937, 21f.]

 [I,16] τὸν μὲν οὖν βοηθὸν ἄνδρα τὸν προφήτην λέγω, ὃς μόνος φωτίσαι ψυχὰς ἀνθρώπων δύναται, ὥστ’ ἂν αὐτοῖς ὀφθαλμοῖς δυνηθῆναι ἐνιδεῖν τῆς αἰωνίου σωτηρίας τὴν ὁδόν. [...] ὥστε πρῶτον χρὴ τὸν προφήτην πάσῃ τῇ προφητικῇ ἐξετάσει δοκιμάσαντα καὶ ἐπιγνόντα ἀληθῆ, τοῦ λοιποῦ τὰ πάντα αὐτῷ πιστεύειν καὶ μηκέτι τὸ καθ’ ἓν ἕκαστον τῶν ὑπ’ αὐτοῦ λεγομένων ἀνακρίνειν, ἀλλὰ λαμβάνειν αὐτὰ βέβαια ὄντα δοκούσῃ μὲν πίστει, ληφθέντα δὲ ἀσφαλεῖ κρίσει· ἀποδείξει γὰρ μιᾷ τῇ ἀπ’ ἀρχῆς καὶ ἀκριβεῖ ἐξετάσει τῇ πανταχόθεν τὰ ὅλα ὀρθῷ εἴληπται λογισμῷ. διὸ πρὸ πάντων τὸν ἀληθῆ προφήτην ζητεῖν δεῖ, ὅτι ἄνευ τούτου βέβαιόν τι προσεῖναι ἀνθρώποις ἀδύνατον. [I,17] καὶ ὁμῶς ἀνέπαυσέν με, ἐκθέμενός μοι τίς ἐστιν καὶ πῶς εὑρίσκεται, [καὶ ἀληθῶς εὑρετόν μοι παρασχὼν αὐτόν,] τῶν παρὰ ὀφθαλμοῖς ὁρωμένων ἐμφανεστέραν τῆς τοῦ προφήτου ὁμιλίας τοῖς ὠσὶν δείξας τὴν ἀλήθεια.

 

[Übersetzung: Daniel Erhorn]

 

 

 [I,16] Diesen Menschen (syr. ܐܢܫ  ʾenȏš) nenne ich den Beistehenden (syr.: ܡܥܰܕܪܳܢܳܐ madrono), "den Propheten", der allein die Seelen der Menschen zu erleuchten vermag, so dass sie mit ihren Augen den Weg zur ewigen Rettung sehen können. [...] Daher ist es zunächst nötig, den Propheten durch eine wahrheitsgemäße Untersuchung auf sein Prophetentum hin zu überprüfen, um ihm hernach in allen Dingen zu glauben und nie mehr auch nur eine von ihm gesagte Sache anzuzweifeln, sondern alles als zuverlässige Wahrheit gläubig anzunehmen und für die Zukunft als sichere Unterscheidung zu bewahren. Denn durch einen einzigen grundlegenden Beweis und eine allseitig sorgfältige Untersuchung wird das Ganze auf rechte Weise erfasst. Deswegen ist es als allererstes vonnöten, den wahren Propheten zu suchen, denn ohne diesen ist es den Menschen unmöglich, sich etwas Wahrem zu nähern. [I,17] Und auf dieselbe Weise beruhigte er mich, indem er mir auseinandersetzte, wer er sei und wie man ihn finden könne. [Und wahrlich, er ließ ihn mich finden. (Diese Worte fehlen in den lateinschen Recognitionen)] Und er zeigte mir deutlich, dass die Rede des Propheten, die man mit den Ohren hört, dasjenige an Klarheit übertrifft, was man gewöhnlich mit den Augen sieht.

 

 

 

 

 



1) Mt 11,18f.

 

2) Bultmann, Rudolf: Die Geschichte der synoptischen Tradition: Ergänzungsheft (Forschungen zur Religion und Literatur des AT und NT, Band 12). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 51979, S. 31.

 

3) vgl. Tödt, Heinz Eduard: Der Menschensohn in der synoptischen Überlieferung. Gütersloh: Gerd Mohn, 21963.

4) vgl. Tödt, ebd.

5) Bultmann, Rudolf: Theologie des Neuen Testaments, S. 29f.

6) Röm 1,3f.

7) Vgl. Dibelius, Martin: Formgeschichte des Evangeliums. Zitiert nach: Tödt, ebd., S. 33.

8) Tödt, ebd., S. 34.

 9) Mk 13,26

 10) Tödt, ebd., S. 32

 11) vgl. Bultmann, ebd., S. 29.

 12) Vgl. Qumranrolle QS1 9, 11 zitiert nach http://www.qumran.org/js/qumran/hss/1qs

 13) Die Nachkommen Aarons, von dem Levi abstammt, bildeten die israelischen Priesterschaft, die Leviten.

 14) Vgl. Ephraem: Kommentar zum Diatessaron I, S.193: „Was auch immer sie ihn auf welche Weise auch immer fragten – er (sc. Johannes) sagte: ,Ich bin nicht der Gesalbte, nicht Elija und kein Prophet, sondern die Stimme‘ (Joh 1,20–23), damit er sich nicht selbst Johannes oder einen Menschen oder einen Propheten nenne, obwohl er einer war und ein neuer Elija und Gesalbter“.

 15) Joh 7,40–43

 16) Vgl. Brandt, Wilhelm: Die Mandäer. Ihre Religion und ihre Geschichte. Wiesbaden: Dr. Martin Sändig oHG 1967, S. 27f.

 17) Schaeder, H. H.: Der ,Mensch‘ im Prolog des IV. Evangeliums, in: R. Reitzenstein/ H. H. Schaeder: Studien zum antiken Synkretismus aus Iran und Griechenland. Leipzig/Berlin: Vieweg&Teubner, 1926, S. 330

 18) Aramäisch „Wahrheit“

 19) Vgl. Schaeder, ebd. S. 341.

 20) Ebd., S. 337